Berlin, 20. Julius 18.

Da die Hoffnung Sie, Hochverehrter Gönner und Freund, in Berlin zu sehen bis jetzt leider nicht erfüllt ist, so ergreife ich diese Gelegenheit, Ihnen durch meinen Collegen, den Prof. Giesebrecht, ein Exemplar der Beiträge zu übersenden. Mögen sie Ihrer Beachtung nicht ganz unwürdig erscheinen!

Könnte ich nicht durch Ihre gütige Vermittlung ein Exemplar der Nächte des Stroparola erhalten von einer Ausgabe vor 1604? Die französische Uebersetzung hat mir Brentano gegeben.

Indem ich mich aufs neue Ihrer Gewogenheit und Ihrem Andenken empfehle, verbleibe ich

Ihr gehorsamster

F. W. V. Schmidt

Professor[24].

II.

Berlin, 19. Nov. 18.

Hiebei erhalten Sie, hochgeehrter Gönner und Freund, ein Exemplar des Fortunatus. Mögen Sie es mit Geneigtheit empfangen, und mit Nachsicht beurtheilen! Wie ganz anders sollte einzelnes ausgefallen sein, wenn ich so glücklich wäre bei schwierigen, mir dunkeln oder verdorbenen Stellen einen Kenner, wie Sie, in der Nähe zu haben, mit dem ich mich hätte besprechen, von dem ich Rath und Hülfe hätte erhalten können. So weit man sein eigenes Werk beurtheilen kann, so glaube ich den Geist, welcher hinter den Zeilen lebt, verstanden und vielleicht wieder gegeben zu haben. Und das scheint mir das erste Erforderniß einer Uebersetzung, welche nicht für die gelehrten Kenner des Originals, sondern für deutsche Leser bestimmt ist. Aber freilich ist es bei weitem nicht das einzige; namentlich sind die kurzen gewichtigen Worte des englischen von Decker so wunderbar zusammen gepreßt, daß gar manches in den ernsthaften Theilen hat ausfallen müssen, weil unsere schleppenden Endungen auf e leider im Verse immer mit zählen. Das ist bei dem überreichen Ausdruck des jungen englischen Dichters vielleicht für uns Deutsche kein Nachtheil, aber freilich giebt die Uebersetzung dann immer kein ganz getreues Abbild des Originals. Bei den Wortspielen muß man sich so helfen, wie man kann, und leichte Ungezwungenheit, welche allein komische Wirkung machen kann, scheint mir hier die Hauptsache. —