Breslau, d. 2. Februar 1833.

Hochverehrter Freund und Gönner.

Unbesorgt um Ihre gewogene Aufnahme meines endlich ans Licht dringenden Rabelais, wage ich Ihnen denselben zu senden. Denn Sie selbst waren es ja, der schon vor Jahren so gütig an ihm Theil nahm, und ihn herausgefördert hätte, wenn es an Ihnen gelegen hätte. Er tritt nun in aller seiner Sünden Maienblüthe vor Sie, „calzadas las espuelas para ir á besar las manos á V. E.“ und bittet um ein ganz offenes Gericht — denn leider weiß ich wie wunderlich seine Sprache im Deutschen lauten muß — die ich mir immer noch nicht ganz zu Dank habe bilden, aber auch, nach 20jährigen Versuchen, bei Anspruch auf Treue, (das bin ich mir bewußt) nicht besser habe machen können.

Nehmen Sie daher vorlieb mit dem Mäslein meiner Kräfte und seyn Sie versichert, daß jede Zurechtweisung, deren Sie mich würdigen wollten, dem Buche selbst in der Folge, wenn ich dazu Gelegenheit finde, zu gute kommen soll. Den Commentar, eine mühsame, aber nun doch auch schon, Gott sey Dank! größtentheils beendigte Arbeit, nehme ich mir die Freiheit, zu seiner Zeit Ihnen nachzuliefern.

Eine Freude hat mir die Zeit vereitelt; denn ich hatte schon mehr als ein Briefconzept geschrieben, womit ich es Göthen noch senden wollte!

Haben Sie noch innigen Dank für Ihre Worte zu dessen Gedächtniß, wobei Sie auch meiner gedenken wollten! Denn Carus, als er zu meinem Geburtstag sie mir schickte, schrieb daß Sie sie mir selbst bestimmt.

Durch diesen bin ich seit so manchem Jahr meiner Entfernung von Dresden, doch nie ganz von Ihnen geschieden gewesen. Denn wie könnten die Briefe eines mit Ihnen verbundenen Mannes von Ihnen leer seyn. Aber so manche herzliche Freude, die ich in einsamen Stunden auch diese Zeit her, Ihrer Muse wieder verdankte, ging doch zunächst von Ihnen aus. Seyn Sie für alles auf immer gesegnet!

Gienge es mir nach, so müßte Sie nie etwas Uebles treffen. Noch immer denke ich mit unauslöschlichem Dank Ihres unverdienten Wohlwollens, das Sie mir, hochverehrter Mann, selbst mit eigner Zeit-Aufopferung in Dresden bewiesen, und ich klage mich wegen letzterer noch oft im Stillen an, weil ich weiß, was die Arbeitsstunden werth sind, in denen ich störend bisweilen zu Ihnen hereintrat, ohne auch nur den mindesten Ersatz dafür mitzubringen. Diese Abbitte an Sie liegt mir fürwahr noch auf dem Herzen. Behalten Sie mir die Sünde nicht!

Möge dieser Sommer, wo Sie ihn auch verleben, Ihnen heilsam seyn! sowie alle folgende Jahreszeiten. Ein Wunsch, den gewiß selbst die nächsten Ihrigen nicht ehrlicher für Sie meinen können als

Ew. Hochwohlgeboren