I.
Dresden, 24. Jan. 28.
Ich weiß nicht für welche literarische Sünde, die vielleicht alt ist und nach vielen Jahren von der unerbittlichen Nemesis gestraft wird, ich so vielen Vergnügens entbehren muß, das doch nicht blos unschuldig, sondern noch etwas mehr wäre.
Ich soll weder Eduard den 3ten, noch Cromwell, noch die Jugendscherze Shakspears hören. Nun soll ich auch nicht einmal mich mit Ihnen unterhalten dürfen. Denn das bloße Reden erhitzt meinen Catarrh, der gar nicht nachlaßen will, und ich möchte Ihnen nicht einmal zumuthen, mit einer chinesischen Pagode zu reden, die nur mit Nicken und Kopfschütteln erwiederte, wenn ich es auch über mich vermöchte still zu schweigen, wenn ich mich über die intereßantesten Bemerkungen oder lehrreichsten historischen und literarischen mir neuen Thatsachen freue.
Sollten Sie eine Sammlung von Lessings Schriften haben, worin seine Briefe vom Jahre 1773 stehn, so bitte ich sie mir einstweilen zu schicken, bis ich Erlaubniß erhalte, Sie an das Versprechen zu erinnern, mir ein Stück von Ben Johnson zu erklären. Auch möchte ich die Herzens-Ergießungen eines Closterbruders einsehen.
Endlich aber die Hauptsache. Ist der Anfang des 2ten Theils des Dichterlebens in England wirklich zu Papiere gebracht? Ich soll es ja stückweise lesen.
Ganz der Ihrige.
Rehberg.
II.
Dresden, 17. September 1830.