Vor wenigen Tagen hat meine Tochter Marianne ein zweytes Mägdlein bekommen — ich theile dies den gütigen theilnehmenden Freunden in Dresden mit, auch meiner lieben stummen Adelheid Reinbold.
Herzliches Lebewohl!
v. Rehberg.
Reichardt, Johann Friedrich.
Geb. zu Königsberg 1751, gest. zu Halle den 27. Juni 1814.
Wenn er zu seiner Zeit als Komponist größerer wie kleinerer Opern, Operetten und Liederspiele einen hohen Rang einnahm; wenn er als Redakteur der musikalischen Zeitung, ja auch als politisirender Schriftsteller vielseitigen Einfluß übte, und für eine geistige Macht gelten durfte, die man bisweilen beargwöhnte, daß sie sich zu überheben suche; wenn all’ diese seine verschiedenartigen Produktionen, die den Mitlebenden imponirten, jetzt mit ihnen begraben sind.... in Einem wird er doch unvergeßlich bleiben, und auch heutzutage bei gänzlicher Geschmacksveränderung jeden Unbefangenen entzücken, der ihn darin kennen lernen will: in seiner Art und Weise, Liedern unserer größten Dichter entsprechende Melodieen zu finden. Reichardt verdient vollkommen den Namen Tondichter, denn keiner hat tieferes Verständniß dabei an den Tag gelegt. Es war eine offenbare Ungerechtigkeit, daß Goethe wie Schiller sich von diesen wahrhaft klassischen Kompositionen abgewendet haben, um Zelter’n zu huldigen. Eine Ungerechtigkeit, die sich wohl nur erklären läßt durch oft anmaßendes Betragen, und durch manche kleine Charakterzüge, die ihn perfid erscheinen ließen, wo er doch in gutem Rechte zu sein glaubte. Gewiß hat dieser bedeutende Mensch Alles gethan, um sich Feinde zu machen. Auch seine Stellung bei Hofe verdarb er sich durch unüberlegte Witzworte, die er schonungslos wie Geißelhiebe austheilte. Als z. B. der vielbeliebte Kapellmeister Himmel die von Kotzebue aus Paris mitgebrachte Operette „Fanchon, das Leiermädchen“ in Musik setzte, und die darin enthaltenen unzähligen kleinen, coupletartigen Liedchen mit leichten Melodieen begleitete, äußerte Reichardt, erbittert über den beispiellosen Succeß solch´ oberflächlicher Leistung ganz laut: „In dieser Oper sieht man den Himmel für einen Dudelsack an!“ was zwiefach boshaft klang, weil dieser Ausdruck volksthümlich auf Betrunkene angewendet wird, und weil Himmel im Rufe stand, oft betrunken zu sein.
Von den Briefen R.’s an Tieck haben wir nur einen wegzulassen gewagt, — obgleich sehr ungern — aus Rücksichten für Lebende wie Todte. Dafür bringen wir als Zugabe ein Schreiben Tieck’s an ihn, womit diese Reihe eröffnet wird, und als Anhang zwei Briefe seiner Tochter Louise, die dem Freunde und Kenner deutschen Liedes werth bleiben müßte, wenn sie gleich nichts anderes gesungen hätte, als die herrliche Melodie zu Novalis unsterblicher Klage:
„Der Sänger geht auf rauhen Pfaden,
Zerreißt in Dornen sein Gewand &c.“