In der Hoffnung, Dich auf Michaelis hier zu sehn und baldige Antwort von Dir zu erhalten, bin ich

Dein

Wackenroder.

P. S. Bernhardi schreibt künftigen Posttag, ob er noch nach Halle kommt, und schickt Dir kleine Bemerkungen über die Anna Boleyn.

VII.

Montags.

Mein liebster Tieck!

Wo bleibt mein Brief, den ich nun wohl bald erwarten dürfte? Wenn zu allen Deinen Fähigkeiten hinzukäme, Ordnung und Pünktlichkeit zu beobachten, so würdest Du ein ganz vollkommnes Wesen seyn, — vielleicht zu vollkommen für diese Welt. Ich freue mich nur über mich selbst, daß ich jene Schreibeträgheit und Nachläßigkeit im Korrespondiren bey mir nicht bemerke; doch ich habe freilich fast lauter angenehme Briefwechsel.

Lebst Du denn vergnügt, gesund? Bernhardi hatte inniglich gewünscht, Dich in den Hundstagsferien zu besuchen, denn er sehnt sich nach Deinem Umgange sehr und wünschte sich mit Dir recht aufzuheitern; aber einfältige Hindernisse sind ihm in die Queer gekommen. Wie schön wär’s nicht gewesen, wenn er zu Dir gekommen wäre; hätt’ ich ihn dann begleiten können! Tieck! hätt’ ich Dich in Halle sehen können! —

Meine Abhaltungen sind durch neue Abhaltungen ersetzt. Der Vater meines Herrn Vetters mit seinem Bruder aus Stockholm, sind itzt auf ein Paar Tage hier; ich sehe mit ihnen dies und das, und gehe hier und dort hin: bald werden sie abreisen, um eine Reise, die zum Theil Geschäfte zum Theil Vergnügen zum Zwecke hat, durch Deutschland vorzunehmen. Von hier reisen sie nach Wien, durch Sachsen. Himmel! was sagst Du, wenn ich sie begleiten könnte, und Dich vielleicht auf einen Augenblick wenigstens im Vorüberreisen, umarmen!