Wen ich außer Dir in Halle sehen möchte? Keinen als Reichardts! Diese Familie liebe und schätze ich innig. — O ich sehe es schon im Geist, wie wir in ihrem romantischen Garten wandeln, und vom Giebichensteiner Felsen herab die Landschaft unter uns liegen sehen! Dann meinen Arm um den Deinen und meinen Mund auf Deine Lippen, — so kenn’ ich nichts höheres! An dem Tage wollen wir die Zeit mit unserm süßen Geschwätz so ausfüllen, daß kein Moment ungenutzt bleibt, — so wie in einem wohlgefüllten Raum von Menschen kein Apfel zur Erde kommen kann.

So lebe denn wohl, mein Theuerster! Ich brenne vor heißer Sehnsucht, Dir an den Busen zu fliegen! — Nur! — erwarte mich nicht zu ängstlich zu einer gewissen Stunde, — freue Dich nicht zu sehr auf einen vergänglichen Tag, — hörst Du? — Doch sey, wenn Du von meiner Hand berührt wirst, eben der gütige Freund, der Du in einer Entfernung von 20 Meilen geblieben bist.

Mit entzückungsvoller Hoffnung des Wiedersehns —

Dein

Freund

W. H. Wackenroder.

VIII.

Dresden, Montag Abends,
nach 10 Uhr.

Mein liebster, mein bester Tieck!

O Wehe! da bin ich wieder von Dir gerissen, und muß mich in Gesellschaften herumtreiben, die gegen die Deine so sehr abstechen, wie — die schöne Venus, die ich heute im Antikensaale gesehen habe, gegen den Kerl im Leipziger Garten, der mit dem Schlag 15 sich den Dolch in die Schulter stieß!!