Wohnt
Hier und sonnt
Im Buchenhain
Sich im Frühlingsschein.
Und mehr dergleichen Verse, die in der That wahre Knittelverse sind. — Auch Bilder, wie: der Donner stößt sich an den Klippen wund, hast Du wohl nur Spaßes halber hingeschrieben. Du siehst wie beredt ich bin, wenn Du einmal etwas Mittelmäßiges oder Schlechtes hervorbringst. So machens die kleinen Geister, welche die größern weit zu übersehen glauben, wenn sie im Stande sind in den Bastardgeburten ihres Geistes Fehler zu entdecken, die sie selbst nicht einmal zu machen vermögen. Bey Meisterstücken schweigen sie still, und wissen nicht was sie sagen sollen, weil sie viel zu eingeschränkt sind, die verborgene Quelle der Schönheiten aufzuspüren, und nach Verdienst die Schönheiten zu würdigen. So mach ichs auch!
Neulich hab’ ich das neue Ritterstück: Ludwig der Springer gesehen. Ein dürftigeres, anfängermäßigeres, bedauernswertheres, nüchterneres, faderes, unbedeutenderes, nichtssagenderes, gemeineres, gewöhnlicheres, — (aber ich komme außer Athem!) Stück kenn’ ich gar nicht. So ohne einen Funken, ohne einen Schatten von tragischem Geist, Empfindung, Durchführung von Charakteren und Situationen geschrieben? Es ist so kurz, daß die Hauptpersonen nur grade so viel Zeit haben zu sprechen, als um die Geschichte die zum Grunde liegt, zu erfahren nöthig ist: alles nichts als ein dialogisirtes historisches Compendium. Alles nur Skelett, Thema zur Ausführung. Nicht eine einzige Rolle, nicht eine einzige Scene, wobey das Herz warmen Antheil nähme. Der Plan: wie ein Spinnengewebe. Vorn ein Sancho Pansa, der den Spaßmacher spielt. Wenn die Hauptpersonen den Gang der Handlungen fortführen sollen, werden ein Paar Gefangenwärter, oder dergleichen Gesindel eingeschoben, die uns indeß mit den trivialsten Späßen die Zeit vertreiben. Die Baranius hält im Gericht die Feuerprobe aus und das Ende ist ein Rittergefecht: beydes ist interessanter anzusehen als das ganze Stück zu hören; denn die sehr genau beobachteten, stummen Ceremonien eines heimlichen Gerichts, und der Pomp der Turnierrüstungen verfehlt nie den Eindruck. Von der schönen edlen! Sprache eine Probe: „Da müßt ihr Pferde anspannen lassen, wenn ihr mich von der Stelle bringen wollt,“ spricht Ludwig im höchsten Zorn. Der leibhaftige Fuhrmann, der in der Trunkenheit, den Hut auf einem Ohr, die Hände in die Seite setzt. Doch das ganze Ding verdient nicht, daß ich ein Wort mehr darüber sage.
Bernhardi hat itzt schnell den Entschluß gefaßt sein Nachspiel selbst an Engel zu bringen. Vorher hat ers Hagemeistern gewiesen, der es gelobt hat. — Neulich ist eine neue Operette: die unruhige Nacht, nach Goldoni, Musik von Lasser in München, 2 Tage hintereinander ausgepocht worden.
Aber was heißen alle diese Neuigkeiten gegen die, welche ich Dir itzo vortragen will. Lege Dein Gesicht in Falten, bereite Dich auf einen großen Gedanken vor, und setze Deine Seele in eine gemäße Stimmung. Triumph und Viktoria, 3 mal und 4 mal! mein Glück, mein Heil ist gekommen; ich bin emporgehoben aus dem Staube, und stoße an den Orion mit meinem Scheitel. Nun erst wag’ ich es, Dich brüderlich zu umarmen und mit Dir vereint dem Tempel der Unsterblichkeit zuzufliegen. Fort mit allen Phantasien, die itzt vielleicht wie schwarze Wolken Deinen Kopf durchziehen; sie sind nichts gegen das was Du hören wirst! Gebiete den kleinsten Gedanken Deiner Seele eine feierliche Stille, und laß in dieser erhaben-majestätischen Pause Deine Geistesthätigkeit Dir die goldenen, himmlischen Worte Deine beyden Ohren füllen: Ich bin Schriftsteller, und abermals: ich bin Schriftsteller. — — — Allein ich muß mich wohl von meiner schwindlichten Höhe herablassen und Dir in der Sprache der Menschen in aller Kürze erzählen: Cur, quomodo, quando. (N. B. Alles was Du jetzt hörst sind die tiefsten Geheimnisse, nur für Dich, mich und Bernhardi offen.)
Bernhardi ist zum Mitarbeiter an einer neuen Monathsschrift engagirt, die Rambach und Heydemann (vielleicht auch von Zöllner, Jenisch, Eschenburg und Veit Weber unterstützt) bald herausgeben wollen. Nun bat er mich so dringend und unabläßig, ihm meine Ode an die Zeit, die ich ihm einmal vorgelesen, hier zum Drucke anzuvertrauen, daß ich es ihm in der That nicht abschlagen konnte. Er wollte durchaus die Gründe meines Weigerns wissen, und da fast der Hauptgrund war, daß ich in einer zum Theil doch etwas verdächtigen Gesellschaft, und in einem so ephemeren, verachteten, plebejen Werkchen mich in der Welt nicht zuerst produciren wollte, so mußte ich, da ich ihm diesen Grund nicht gut sagen konnte, ihm keinen Grund zu haben scheinen. Genug, ich mußte ihm, halb gezwungen, die Ode (mit einigen Veränderungen) geben: nur ließ ich mir strenge Verschwiegenheit von ihm versprechen. Nun hat er sie an Rambach und Heydemann vorgelesen, aber in einiger Entfernung, damit sie meine Hand nicht erkennen sollten; sie hat Beyfall gefunden und wird nun wahrscheinlich gedruckt werden. Was das komischeste aber ist, so hat Bernhardi Rambachen im Vertrauen gesteckt, die Ode wäre von seinem Freund Schmiedecke; und freut sich schon im Voraus auf die komische Scene, die dadurch zwischen diesem und Rambach entstehn wird, da ohne Zweifel Schmiedecke, wenn ihm der geschwätzige Rambach die Ode auf den Kopf zusagt, den Unwissenden besser als irgend einer spielen wird. Ob Bernhardi an der Scherzlüge klug gethan hat, und ob Rambach bey seinem Glauben bleiben, oder nicht doch auf mich argwöhnen wird, welches mir nicht lieb wäre, weiß ich nicht. Unter die Ode habe ich den Namen Agathon gesetzt, weil das mein Lieblingsname ist.