Wie die Elemente der Natur Ben Johnsons gespannt waren, und ihr Streit nicht in seinen Producten erlöschen und ausgeglichen erscheinen konnte, so muß man ihm auch seine Eifersucht auf Shakespeare verzeihen, weil man doch aus seinem To the memory of my beloved Mr. W. Shk. und einem denselben betreffenden Stück seiner Discoveries ersieht, daß er gesunden Verstandes genug, ja sogar Bescheidenheit und Liebe neben allem Hochmuth und scioppischer Schmähsucht hatte, diesen sweet swan of Avon, diese soul of the age, the applause, delight, the wonder of our stage, who was not of an age, but for all time anzuerkennen, though he had small Latin and less Greek, from thence to honour himself — was mir beiläufig ein köstlich komischer und ironischer Zug ist.
Aber, mein Gott! was hab’ ich da meinem herzlich geliebten Freunde vorgeplaudert! Sieht es nicht aus, als wollte ich, der Schüler, den geehrten Meister und tiefern Kenner, der mich erst dort einführt, wo er schon längst heimisch ist, belehren oder mich spreizen? Doch nein, lieber Freund, Sie werden wol in dem Gesagten nur den Gelehrigen, nicht den Lehrhaften, nur den sehen, der Ihrer gütigen Mittheilung nicht unwerth ist. Darum erinnere ich Sie an Ihr Versprechen, mir ferner mitzutheilen, was auch mich, soweit eben meine schwachen Kräfte reichen, in jener alten Welt einheimischer machen kann. An Fleiß, Treue und Streben soll es, will’s Gott, nicht fehlen, noch fehlt es daran; denn vor Arbeit erschrecke ich nicht. Ich überlasse mich dabei ganz Ihrer Leitung und wünsche nun, daß Sie mir, wo es geht, einen Cicerone, wie Gifford, mit auf den Weg geben.
Ernst Fleischer druckt, wie Sie wissen, einen im Subscriptionspreise wenigstens, beispiellos wohlfeilen Shakespeare ganz und vollständig, und, wie ich gesehen habe, sehr sauber und anständig in großem Lexikonformat in gespaltenen Kolumnen schön und deutlich. Kaum getraue ich mich, wie ich es denn zuvörderst Ihnen nur vertraue, den mir gemachten Antrag, ein Glossary für einen zweiten Theil zu schreiben, anzunehmen; weßhalb ich auch das Nähere über Zweck, Umfang, Art &c. noch nicht mit ihm besprochen habe. An Mitteln dazu, denke ich, würde er es wol nicht fehlen lassen, und so lacht der Antrag wol an, wenn nur meine Kräfte hinreichen. Wollten Sie mir hier, soweit es Ihre Muße und Lust erlaubt, einmal Ihre Ansicht und Ihren Beirath gütigst ertheilen, so würden Sie, nicht zwar mich mehr verbinden, als ich es bin, sondern eine löbliche Absicht in einem Kreise fördern, worin ich eigentlich nur Sie als Richter und Gesezgeber und Ordner anerkenne. Darum schelten Sie mich nicht zudringlich! Könnte ich nur Fleischern bestimmen, nachträglich auch das zu liefern, was Sie aus Gründen der höhern Kritik Shakespearen zusprechen, und was ich Sie mir anzuzeigen bitten würde, so wäre schon damit etwas Verdienstliches geleistet. Aber bitte, bitte, lieber Meister, schelten Sie den Dreisten und den Bittsteller nicht; weisen Sie ihn lieber sanft ab, wenn Sie meinen, daß die Sache leidet!
Und nun genug! Ich erschrecke über das lange Schreiben und wünsche, daß Sie soviel Geduld damit gehabt haben mögen, als ich dabei Liebe hatte. Lassen Sie mich immer ein wenig in gutem Andenken bei Ihnen leben, und grüßen all’ Ihre Lieben von
Ihrem
Freund
Adolf Wagner.
III.
Leipzig, am 24. Jan. 1830.
Mein verehrter Freund!