Hochzuverehrender Freund.

Um Ihren theuern Brief auch zu meiner eigenen Befriedigung zu beantworten, will ich von meinen Sünden anfangen, deren er mich zeiht. Denn das Geständniß ist drückend, aber führt die Vergebung herbei.

Also das Register getrost angefangen: 1) ich habe mehrere Nachläßigkeiten in Ihrer Erzählung nicht abgeändert, die ich unter uns gesagt — bei Arnim gewiß geändert hätte, theils weil ich manche Nachläßigkeit in Ihrem Erzählen für eine grata negligentia hielt, und ich immer Sie selbst als mündlichen Erzähler vor mir hatte, dem man ja solche Nachläßigkeit so gern verzeiht, wo nicht gar als Tugend anrechnet; theils weil ich in der That noch nicht wußte, wie sensible Sie in dieser Beziehung seyn möchten. 2) Es sind viele garstige Druckfehler in Ihrer Erzählung stehen geblieben, was ich leider schon beim Vorlesen gefunden habe. Die Wahrheit: meine Geschäfte waren zur Zeit des Abdrucks so vielfach und drückend, daß ich die Revision meinem Famulus, einem übrigens geschickten und auch poetisch gebildeten Menschen übergeben mußte. Indessen sind die beiden angeführten Druckfehler doch nur die wichtigsten, und den einen „das flüchtige Werk des L.“ hätte ich wohl auch stehen lassen, weil man den individuellen Gegenstand im Sinne haben muss, um das Prädikat wahr oder falsch zu finden. 3) Ich habe die Anzeige von Solgers Erwin in der Leipziger Zeitung gemacht; das ist wahr, aber genügt ihnen nicht — mir vielleicht noch weniger; eben weil es fast nur Anzeige seyn konnte.

Die geistvollen Ansichten des Buchs erfordern in der That noch eine tiefere Würdigung, als ich damals geben konnte. Indessen bin ich doch davon überzeugt und Hegel, den ich neulich darüber gesprochen, theilte mit mir diese Meinung, daß diese Form des Gegenstandes nicht mehr dem Standpunkt der Wissenschaftlichkeit unsrer Zeit eignet. Ich, der ich selbst jetzt an der Aesthetik arbeite, weiß aber auch recht gut, daß Solger keine Vorgänger in der wissenschaftlichen Deduction des Schönen hatte.

Nach dieser Beichte wird die Absolution von Ihnen sehnlich begehrt, ja mit Zuversicht erwartet, und ich kann getrost zu den Andern fortgehen.

I. Die Novelle wird mit beiden Händen angenommen — aber nach Ihrer eigenen Bedingung als Ostern ganz fertig; — denn Sie glauben nicht, welche Verlegenheiten und Bedrängniß nicht blos der Componirende, sondern auch Redacteur und Verleger durch Verspätigung auszuhalten haben.

II. Wegen des Honorars habe ich besonders mit Herrn Richter gesprochen und ihm Ihren Brief richtig abgegeben.

III. Die vertraute Frage von wegen meines Redactions-Honorars wird vertraulich dahin beantwortet, daß mir der Verleger 300 Thlr. exclusive der Portoauslagen und meiner eigenen Beiträge zu zahlen hat.

Das Unannehmlichste bei einer solchen Redaction ist aber die dringende Pünktlichkeit im Correspondiren und Briefe beantworten. Sie glauben doch wohl nicht, wie viele Briefe mir jährlich das Büchlein zu schreiben macht, und in wie manche Verlegenheit es mich deshalb zuweilen setzt. Das es auch angenehme Correspondenzen herbeiführt, wie die gegenwärtige, ist freilich auch nicht zu läugnen, allein ich liebe das Mündliche doch mehr. Diese Bedingung werden Sie sich sehr zu vergegenwärtigen haben, bevor Sie ein solches Verhältniß eingehen. Für einen Mann wie Sie ist das Schaffen genügender und auch einträglicher, als das Redigiren.

IV. Müßte ich Ihnen fast von letzterm abrathen, so rathe ich Ihnen unbedingt von der dramaturgischen Zeitung ab. Aber Sie fordern ja nicht meinen Rath! — Allerdings, und es würde mir nichts Belehrender, nichts Lesenswerther seyn, als eine solche Zeitung von Ihnen. Aber ich nenne mich nun einmal Ihren Freund, ich will es seyn, und darum beschwöre ich Sie, um Ihrer eigenen Ruhe willen, den Gedanken fahren zu lassen. Ich habe bei der Herausgabe meines mit dem ersten Jahrgang geschlossenen Kunstblatts, zu welchem ich wegen Mangel an anfänglicher Unterstützung die große Hälfte selbst schreiben und zu bestimmter Zeit in die Druckerei liefern mußte, eine Erfahrung in dieser Art gemacht, die mich verpflichtet, Ihnen das Drückende der Sache ganz ins Bewusstseyn zu bringen. Sie haben jetzt in Ruhe gelebt und gedichtet, Sie sind der Unruhe nicht gewohnt, welche die Kritik der Dichter und Schauspieler in diesen papiernem Zeitalter hervorbringt, und vergeuden gewiß nicht gern an die Misère Ihre schöne Zeit, welche zu eigenem Schaffen förderlich seyn konnte. Ihre Dichtungen, Ihre vaterländischen Schauspiele, Ihr Werk über Hamlet fordert das Vaterland dringend von Ihnen; die dramaturgische Kritik hat mit dem Interesse an dem Theater abgenommen, das keine Kritik zu veranlassen fähig ist. Was ich aber hätte vorausstellen sollen, ist, daß ich nicht glaube, einen Verleger unter diesen Bedingungen zu finden. Auch Zimmermanns dramaturgische Blätter werden gewiß nicht lange fortgehen, weil, wie die Verleger sagen — „jedes Unterhaltungsblatt Theaterkritik gibt.“ Doch will ich mich noch umsehen. Für jetzt vergeben Sie wenigstens meiner zutraulichen Offenheit, wenn Sie die Ansicht nicht theilen können.