V. Kommen die Leipziger Lerchen beifolgend an, so gut meine Frau sie hat bekommen können; denn die Lerchenzeit ist bei uns fast schon vorbei. Sehen Sie dieselben als ein kleines Geschenk aus meiner Küche an, und laßen Sie sich dieselben wohl schmecken — versteht sich, wenn sie wohlbehalten nach Dresden kommen. Sagen Sie den Ihrigen, und vorzüglich der Frau Gräfin, der ich mich bestens zu empfehlen bitte, daß ich mich selbst gern an dem traulichen Tischchen sähe, an welchen ich mit ihnen geseßen.
VI. Hrn. Spohr werden Sie nun wohl gesprochen haben, den ich Ihnen mit einigen Zeilen zusendete. Dies bringt mich auf die Musik, und die Oper, über die Sie, wie mir kürzlich Jemand versichern wollte, nicht sehr schmeichelhaft denken sollen. Nächstens wird ein Band des bei Brockhaus herauskommenden Hermes erscheinen, dort finden Sie eine Recension von mir über 2 Werke von Castil-Blaze. Ueberschlagen Sie die zwei ersten Abschnitte derselben, die sich blos auf das Buch beziehen, und lesen Sie den dritten, mit der Absicht, mir Ihre Ansicht über den Gegenstand an der meinigen zu entwickeln, denn gern hätte ich längst mit Ihnen darüber ausführlich gesprochen.
Doch es ist Zeit zu schließen. Darum die Versicherung aufrichtiger Hochachtung und freundlicher Erinnerung von
Ihrem
ergebenen
A. Wendt.
II.
Leipzig, 29ten Juni 1822.
Ach wie gütig sind Sie, mein verehrter Freund! Zwei Briefe in einer Woche von Ihrer Hand, das ist unerhört! aber auch den herzlichsten Dank dafür. Hiermit sende ich Ihnen das Erste von dem Druck, und werde damit immer fortfahren. Wolfsberg musste Wolfsberg bleiben, da sein Name schon im ersten Bogen vorgekommen war, und ich Ihre Entscheidung später erhielt. Ich corrigire sorgfältig, und sollten Sie doch — kein Auge ist untrüglich — einen Fehler von Bedeutung finden, so schreiben Sie mir, und es kann allenfalls am Schlusse des Büchleins angezeigt werden. Dem Setzer habe ich den Auftrag gegeben, das Mscpt. zurückzubehalten, Sie können es dann wohl Ihrem Wunsche gemäß erhalten. Von Eulenböck aber waren nur einige Fetzen übrig. Ueber Esslair’s Tell werden Sie einen Aufsatz nächstens in der eleganten Zeitung finden, auch habe ich an das Morgenblatt Einiges über ihn gesendet. — Nun hab’ ich auch die Stich gesehen — eminentes mimisches Talent, aber unerträgliche Manier, geschraubter affectirter Ton, fatales Singen, und Coquetterie hinter Allem. Julie sehr ausgezeichnet — versteht sich, wenn man den Maaßstab des Gewöhnlichen anlegt. — Aber die Jungfrau hat fast misfallen wegen jenes affectirten Vortrags.
Dr. Löbel hat mich besucht und mich durch Nachricht von Ihrem Wohlseyn erfreut; es scheint Ihnen unbekannt gewesen zu seyn, daß er an Rüders Stelle zu Brockhaus gegangen ist. Ich werde mit Vergnügen seine nähere Bekanntschaft zu machen suchen.