Gegen 11 Uhr Mittags fuhren Sr. Maj. der König und unser Serenissimus, der Großherzog, bei Göthe’n vor.

Göthe war den Tag besonders gut gelaunt, er war froh und heiter und wie verjüngt erschien er der Gesellschaft, die sehr zahlreich war, denn, er nahm alle Besuche an, sprach mit jedem und freute sich der vielen Theilnahme, die wir an ihm nehmen; da traten der Großherzog und der König ein, schon angemeldet, die Anwesenden traten zurück. Der König ging auf ihn zu, bezeugte durch huldvolle Worte seine Freude, ihm diese Ueberraschung vorbehalten zu haben, und zog aus seiner Rocktasche ein rothes Kästchen hervor, worin der Zivil-Verdienstorden der königl. bairischen Krone, Großkreutz und Stern sich befanden, welches er Göthe’n mit den Worten überreichte: hier (auf Göthe’s Brust deutend), wird sich wohl noch ein Plätzchen finden, wo sie dieses anheften können. Alles bezeugte seine Theilnahme und Freude, Göthe war sehr überrascht, unterhielt sich dann über eine Stunde noch mit den fürstlichen Personen, die sich theilweise auch zu den Anwesenden gewendet hatten. Der König war über alles entzückt, was er sah und hörte und nach 12 Uhr beurlaubten sich die fürstlichen Personen.

Unser guter Fürst, der Großherzog, hat sich wieder sehr erholt, obgleich ihn das Teplitzer Bad sehr angegriffen hatte und er einige Zeit nach der Badekur krank darnieder lag; er hatte bei Göthe die Gnade mich zu bemerken und mit mir und meiner Frau zu sprechen; auch er äußerte seine große Freude über die unvermuthete Ankunft des Königs, doch als derselbe sich als „von Keßling“ anmelden ließen, schlossen Sie gleich, daß es der König sey, welcher meist in der Gesellschaft des „von Keßling“ reist.

Mittags war eine große Gesellschaft, die aus Göthe’s Verehrern bestand, bei einem glänzenden Gastmahle, welches im hiesigen Stadthaussaale gehalten wurde, versammelt, an welcher auch meine Wenigkeit Antheil genommen. Mehrere Gedichte, die wechselsweise gesprochen und gesungen wurden, habe mir die Freiheit genommen Ihnen zu übersenden.

Herr Kanzlar von Müller sprach das Gedicht „zur Weihe des Tafelfestes“ als Einleitungsrede, worauf denn unserm geliebten Fürsten ein 3maliges Lebehoch gebracht wurde. Dieses, so wie No. 2, sind von Herrn Kanzlar von Müller selbst gedichtet, so wie das ganze Arrangement zu voller Zufriedenheit aller Anwesenden von ihm getroffen war.

Herr Kapellmeister Hummel lieferte uns eine vortreffliche Composition, welche eben so vortrefflich ausgeführt wurde. Herr Kammersänger und Oberdirektor Stromeier trug, wie immer, voll Gefühl und klangvoller Stimme die Gesänge vor, eben so Herr Kammersänger Moltke, auch Herr Musikdirektor Eberwein leistete Vortreffliches.

Unter dem Jubelrufe: Auch die Todten sollen leben! von Herrn Geheimen Kammerrath von Göthe (Sohn) ausgebracht, wurde den Manen Wieland’s, Herder’s und Schiller’s ein Lebehoch gebracht. Abends wurde dem König von Baiern zu Ehren Freiball im hiesigen Schießhaussaale gegeben, wobei der König und unser ganze Hof gegenwärtig waren.

Zugleich war der Ball, durch das jezt hier stattfindende Vogelschießen, von vielen Fremden besucht, die sich zu diesem seltenen Vergnügen hier einzufinden pflegen.

Das Theater sollte erst den 3t. September zum Geburtstag des Großherzogs eröffnet werden, mit „der Schnee.“ Zum erstenmal aber auf Verlangen des Königs geschah dies schon den 29t. August mit „die humoristischen Studien“ und „die 7 Mädchen in Uniform;“ beide Piecen gingen vortrefflich.