Ich muß Ihnen nothwendig von hier aus schreiben, und wähle dazu lieber einen jungen Menschen, der wenigstens nicht stören wird, wenn er einige Stunden in Ihrem Hause zubringt, und mancherley sagen kann, was zu schreiben zu weitläufig wäre. Die bewußte Sache, die ihm, wie ich glaube, unbekannt ist — (obgleich man hier in Halle feine Nasen zu haben scheint), erwähne ich nur, um Ihnen zu sagen — daß ich jetzt überaus glücklich bin. — In ein paar Tage reise ich weg, um Tag und Nacht nach Copenhagen zu eilen. Ich erwarte — wenigstens in Copenhagen ein paar Zeilen von Ihnen zu finden, um zu erfahren, wie Sie und Ihre Familie sich befindet. Sie werden mir verzeihen, wenn die neue Freude — die ich erst seit gestern kenne — mich verhindert weitläuftig zu seyn. Aus Hamburg schreibe ich einmahl einen Brief. Grüßen Sie Ihre Frau — Mamsel Alberti und Dorothea. Ich habe mir vorgesezt alles so in Ordnung zu bringen, daß ich in ein 5–6 Monathe wieder in Deutschland sein kann. Wie freue ich mich darauf, Sie und Ihre Familie dann wieder zu sehen. An den nordischen Sachen werde ich gleich Hand legen. Sie sollen mir in dem fremden Vaterlande in Ihre Gesellschaft bringen. Ihre Schwester und Bruder sind doch noch in Dresden — und kennen mich doch hinlänglich um einen Gruß von mir annehmen zu können?

Verzeihen Sie mir die Verworrenheit des Briefes und leben Sie nochmahls wohl.

H. Steffens.

Sie wissen wohl daß Fr. Schlegel die Aufführung des Alarcos noch abgewartet hat bey Goethe? — Der Teufel hole sonst die vornehme Art, mit welche man hier über Kunst urtheilt. — A. W. Schlegel ist wohl abgereist? Der Ueberbringer dieses Briefs heißt Rotte, ist aus Lübeck und ein Stiefsohn der Doctorin oder der Doctor Schlösser. —

III.

Hildesheim, d. 24. December 1806.

Lieber Tieck!

Auf eine erfreulichere Weise konnte ich, in so bedrängten Zeiten nicht Nachricht von Dir erhalten. Ich gestehe, daß es mir leid that zu erfahren, daß Du mir so nahe vorbeigereist warst, indessen wußte ich wohl, daß Du mich nicht vergessen hättest, und die Art, wie Du Dir meiner wieder erinnerst, ist mir die angenehmste. —

Ich will Dir alles schreiben, und wirst sehen, daß es meine Absicht keinesweges ist, Deutschland zu einer Zeit zu verlassen, die vielleicht bedenklich ist, aber meine Thätigkeit und meinen Wirkungskreis doch nicht aufhebt. —

Als in Halle die Universität gestöhrt war und ich nun ohne Unterhalt war, schrieb ich an meine Brüder und bath sie sich zu erkundigen, ob ich in dem Falle, wenn alles hier unglücklich gienge, eine Anstellung in Dännemark erwarten konnte. Meine Brüder, über meine Lage nach meinen Nachrichten, und noch mehr durch das Gerücht erschrocken, wandten sich unmittelbar an den Kronprinzen, der wiederholt sagte: ich möchte nur zu Hause kommen, auch Schimmelmann ließ mich bitten zurückzukehren. Der Kronprinz both mir Reisegeld an und Schimmelmann schickte mir eine Summe. Das königliche Reisegeld nahm ich nicht an, um nicht gebunden zu sein. — Nach dem aber, was geschehen war, sahe ich es für nothwendig an, mich in Dännemark zu stellen. Kehrte ich nach einer solchen Aufforderung nicht zurück, so würde ich alle meine Aussichten in meinem Vaterland auf immer vernichten. Nun bin ich aber wirklich Däne, kann nie aufhören es zu sein, und bin der Regierung große Verpflichtungen schuldig, auch habe ich eine sehr große Neigung Norwegen zu untersuchen und ein Plan wissenschaftlicher Beobachtungen, den ich längst entworfen habe, von der Regierung unterstützt, dort zu realisiren. Ferner habe, wie es sich nicht leugnen läßt, in Dännemark mächtige Feinde, aber auch mächtige Freunde (wie der Kronprinz und Schimmelm.), beides aber macht meine Lage dort sehr interessant und wenn ich die gegenwärtige Umstände, die mir in einer unmittelbaren Verbindung mit dem Kronprinzen bringt, benützen wollte, so leidet es keinen Zweifel, daß ich mir ein schönes Loos in Dännemark bereiten könnte.