Es freut mich Ihnen melden zu können, daß das hiesige Theater Ihren Darius und Alexander mit großem Vergnügen empfangen und angenommen hat. Vorläufig ist die erste Aufführung auf den 24ten Januar kommenden Jahres angesetzt, und da ich allen Fleiß anwenden werde, damit das Stück, so weit mein Einfluß nur reicht, gut gespielt und würdig überhaupt dargestellt werde, so verspreche ich mir einen glücklichen Erfolg, und glaube, daß wenn selbst die Darstellung um einige Tage aufgeschoben werden sollte, sie doch gewiß noch im Februar erfolgt. Auf jeden Fall melde ich Ihnen selbst oder durch jemand anders noch einmal den ganz festen Tag der Aufführung, und es wird uns allen hier große Freude machen, Sie alsdann auf einige Zeit hier zu sehn. Es wird mir sehr angenehm sein, da ich Ihnen schon so manches vorgelesen habe, Ihnen Ihr eignes Gedicht vorzutragen, das bei dem kleinen Publicum, dem ich es bis jetzt zu verschiedenen Malen mitgetheilt habe, großen Beifall gefunden hat. Auch Ihren Wunsch, etwas über dieses Gedicht öffentlich zu sagen, denke ich zu erfüllen, und an einem Orte, wo es Ihnen hoffentlich nicht unangenehm sein wird. Sprache und Vers könnten hie und da mehr ausgearbeitet sein: der Ausdruck schwankt: hie und da, auch im Anfang, erinnert er an Kleist, dem man nicht nachahmen soll: aber mit allen Fehlern, die die Kritik vielleicht entdecken kann und soll, hat mir seit dem Homburg kein dramatisches Gedicht eine so reine Freude gewährt. Wahre Begeisterung hat es hervorgebracht; darum muß es auch andre begeistern. —

Mündlich mehr; jetzt nur noch die Versicherung, daß ich mit wahrer Liebe und Hochachtung bin und bleibe

Ihr wahrer Freund

L. Tieck.

Ludwig Tieck an Uechtritz.

V.

Den 11ten Febr. 1827.

Mein theuerster Freund!

Zürnen Sie mir nicht, daß ich Ihre Briefe so lange ohne Antwort gelassen und Ihnen auch noch über Ihr neues Schauspiel nichts gesagt habe. Glauben Sie mir indeß, keine Nachlässigkeit oder verminderte Freundschaft ist Schuld an der Verzögerung, sondern überhäufte Geschäfte und Arbeiten, mit Unpäßlichkeit wechselnd. — Ich hatte, aufrichtig gestanden, bei Ihrer Verstimmung und Kränklichkeit dies neue Schauspiel[10] noch lange nicht erwartet, denn ein solches Gedicht verlangt den ganzen Menschen und volle Kraft, es kann zuweilen den Gesunden krank, schwerlich den Kranken, Ueberreizten gesund machen.

Ich las es sogleich mit der größten Begierde und finde, daß ich Ihnen denn doch nicht gut gerathen habe. Nachdem ich Ihr Schauspiel drei, viermal wieder durchgelesen habe, fühle ich immer deutlicher, was ich schon das erstemal sah, daß die eigentliche Kraft und Begeisterung, der Enthusiasmus, das Tragische, und daher die Wahrheit und Ueberzeugung ermangelt. Sie haben zu schnell, zu sehr und zu arbeitend gearbeitet. Ich glaube auch, daß die Scene nicht in Nürnberg, sondern etwa in Mailand und zwar in einer frühern Zeit sein müsse. So wie es da ist, erscheint der Gegenstand zu kleinlich und, wie gesagt, ohne Motive. Es wird Ihnen gewiß, wenn Sie die Sache ein wenig ruhen lassen, nicht schwer werden, die eigentliche Begeisterung, die Leidenschaft für die Gegenstände zu finden, wodurch sich doch nur der Enthusiasmus dem Zuschauer mittheilt.