Ich gestehe unverholen, daß es mir nicht lieb ist, daß Sie schon andern Freunden Ihr Gedicht gezeigt haben: auch der Stich, — darüber kommen Meinungen, von den Schauspielern ganz schiefe Urtheile herum, die auch der künftigen Umarbeitung schaden können. So, wie das Stück jetzt da liegt, rathe ich nicht, es irgend einer Bühne anzubieten.
Ich wünschte aber, wir hätten Gelegenheit uns mündlich über diesen Gegenstand zu besprechen, weil die Briefe so gar ungenügend sind, sich auch die Sache nicht in so kurze Worte fassen läßt. Ein Schauspiel, welches auf der Politik ruht, ist überhaupt vielleicht das schwierigste, weil die Grundsätze und Ansichten der Klugheit, Verfassung, Reform und Revolution in Leidenschaft müssen gesetzt und mit den übrigen Leidenschaften verbunden werden, dabei aber doch so viel Vernunft für sich haben, daß sie auf diesem Wege täuschen und beruhigen können.
Nehmen Sie meine Freimüthigkeit, wie sie gemeint ist. Mein Gefühl ist aufrichtig und für Sie wahrhaft zärtlich freundschaftlich. Sie müssen nach Alexandern keinen Rückschritt thun. Dieser ist auch keiner, nur zu eilig gethan, vorschnell. — Kann ich nicht vom Alexander ein Exemplar auch eine Vorrede oder diese allein erhalten? Warum sind Ihre Briefe so ceremoniös, nicht so natürlich, wie die meinigen.
In Eil. Ein andermal mehr.
Ihr aufrichtiger Freund
L. Tieck.
VI.
Berlin, 3. März 1827.
Mein theuerster hochverehrter Freund!
Sobald ich Ihren Brief erhalten hatte, bin ich sogleich zum Grafen Brühl gegangen und habe gebeten, die Aufführung meines Ehrenschwerdtes, die zum April festgesetzt war, bis zum nächsten Winter aufzuschieben. Im Mai oder Juni denke ich nach Dresden zu kommen und Ihnen ein neues Ehrenschwerdt vorzulegen, das bis dahin wohl seine Vollendung erhalten wird. Seit dem Augenblicke, daß ich Ihnen meine, ich möchte es gern Skizze nennen, schickte, habe ich nicht aufgehört, zu überarbeiten und sorgfältiger auszuarbeiten. Aber ohne Ihren liebevollen Zuruf wäre doch nichts rechtes daraus geworden. Der hat mich im Innersten aufgewühlt und mir die Kraft gegeben, die Bande, die man sich durch eine verfehlte erste Bearbeitung immer auflegt, zu zersprengen und in wiedererrungener Freiheit ganz neues Werk zu dichten, bei dem ich aber von dem ältern vieles zu brauchen denke. Warum ich mich nicht entschließen kann, die Scene von Nürnberg wegzulegen, werde ich Ihnen mündlich vortragen, doch hoffe ich einen großartigern Hintergrund zu gewinnen, indem ich die demokratische Richtung der Zünfte gegen die adligen Stadtgeschlechter, die sich ungefähr um diese Zeit in fast allen Reichsstädten offenbarte, als historisches Motiv benutze. Ich werde die Bürger, in deren Schilderung mich das Beispiel Shakespeares leitete, edler und wichtiger nehmen, den Rudolf Welfinger aber, wie jetzt, bloß sein eignes Recht, ohne Rücksicht auf politische Zwecke verfolgen lassen. Aber ich fühle, daß ich mir mehr schade, indem ich Ihnen das so trocken hinschreibe, und verspare lieber Alles auf mündliche Unterredung, bis zu welcher ich schon, wie ein Kind, die Stunden zähle.