Gräßlicher! sagte Zulma. — O du hast mir ein entsetzliches Geheimniß enträthselt. — Liebe sollte sich in deine Brust hinein erkühnen? Wo das Grausen auf einem schwarzen Throne sitzt und Schauder seine furchtbaren Wächter sind? — Nein Abdallah, — meine Liebe ist seit diesem Augenblick erloschen; o Entsetzlicher, ich fürchte dich, wie sollt' ich dich lieben können?

Zulma! schrie Abdallah, o es gilt nun alles, alles, ich fluche dir mit entsetzlichen Flüchen, denn um dich hab' ich die That gethan, ich weihe dich zur Verdammniß und zum Grausen ein, ich klammre mich fest an dich und reisse dich mit mir in die Hölle, die meiner wartet.

Zulma. Du rasest, Abdallah. — O hast du mich so gewinnen wollen? — So? — hinweg! — die Menschheit hat dich ausgestoßen, was will der Verworfne in meinen Armen? Ich gehöre ihr noch an, — ich habe meinen Vater nicht ermordet, — wenn ich mit seinem Blute besprützt zu dir komme, dann wollen wir uns lieben, bis dahin sei mein Abscheu!

Abdallah ließ sie fahren. — Diese Furchtbarkeit sagte er, fehlte noch an der gräßlichen Zahl, Zulma weicht zurück; nun ewige Quaalen nehmt mich in Empfang! — die Liebe vergiebt mir nicht, — was soll ich von dem strengen Richter dort hoffen? Alles sagt sich von mir los, nur ich selber bleibe mir übrig. Vernichtung, stürme hervor! Brause heran, Verderben! — Hölle, öffne deine Arme! Sei verflucht Zulma, und der Augenblick, in welchem ich dich zuerst erblickte!

Abdallah warf sich erschöpft auf einen Polster, Zulma wagte es nicht, ihn anzusehen, sie trocknete sich heimlich kalte Thränen des Entsetzens von den Augen. — Ihr Vater kam mit den Gästen aus dem Garten zurück.


Achtes Kapitel.

Auch Omar trat itzt mit den übrigen Gästen herein und bewillkommte Abdallah. — In einem bunten Gewühl durchkreiste sich alles fröhlich und sprach und schwatzte mit einander; Sklaven und Sklavinnen liefen durch den Saal und bereiteten die Tafel und die festliche Mahlzeit; Lichter glänzten auf goldenen und silbernen Leuchtern und blendende Schimmer zitterten durch das Gemach. Alle Augen sahen fröhlich umher, alle lachten und scherzten, nur Abdallah stand mitten unter ihnen, wie ein Gegenstand ihres Spottes, sein Auge verirrte sich in der Versammlung und starrte dann wieder unbeweglich auf den Boden hin; oft fing er an mit dem, der ihm am nächsten stand, zu sprechen, aber sogleich brach er wieder ab, ohne es selbst zu wissen, und verlor sich in seinem gräßlichen Stillschweigen. — Zulma wandelte verlegen durch den Saal, bald sprach sie mit ihrem Vater, bald sahe sie nach dem leblosen Abdallah hin. — Endlich erblickte Abdallah seinen Omar im Gedränge, er eilte sogleich auf ihn zu, er hatte ein bekanntes Wesen endlich aufgefunden, das mit seinen Gefühlen vertraut war. Abdallah und Omar gingen auf und ab.

Auch das letzte Glück, sagte endlich Abdallah, ist mir abtrünnig geworden, Zulma liebt mich nicht.

Sie liebt dich nicht? fragte Omar erstaunt.