O sie verabscheut mich, antwortete Abdallah. — Diese Liebe war nur ein sehr kurzer Frühling, der schwarze Winter kömmt zurück. Siehst du, wie mir alles, alles ungetreu wird? — Ach Omar, ich wanke wie in einem Traum einher, — könnt' ich mich ruhig in mein Grab hineinlegen! O hätt' ich nie gelebt!
Omar wollte ihn beruhigen, aber Abdallah hörte nicht auf seine Worte, er blieb in sich selbst zurückgezogen und seufzte schwer.
Das Gastmahl war indeß angeordnet, die Lichter glänzten in helleren Schimmern, das Gewühl verlor sich itzt, man ordnete sich und setzte sich an den Tisch. Zulma saß zur Linken Abdallah's, Omar zur Rechten.
Man aß und alle waren froh und vergnügt, Sklavinnen tanzten, sangen und spielten auf Guitarren und Theorben, andre schlugen kleine Handpauken, andre Cymbeln.
Abdallah sprach nur wenig, er sahe starr vor sich nieder, Zulma anzusehen wagte er nicht. —
Unter einer fröhlichen Musik tanzten die Sklavinnen und sangen:
| Schwebt in süßen Melodieen |
| Sanftgesungne Hochzeitslieder, |
| Und in immer süßern Tönen |
| Grüßt des Bräutigams, |
| Grüßt das Ohr der Braut. — |
| Wonnelieder |
| Sprechen in den frohen Tanz, |
| Jauchzende Gesänge |
| Schweben in leisem Fluge |
| Um euer beglücktes Haupt. |
| Wie ein goldner Blüthenregen |
| Schwimme Glück auf euch herab, |
| Wie nach Wettergewölken |
| Sich Regenbogen |
| Durch die Finsterniß spannen, |
| So komme stets nach trüben Stunden |
| Die Freude unermüdet wieder. — |
Die Tänze verwebten sich in immer neuen Verschlingungen, ein zauberischer Wohlgeruch floß durch den ganzen Saal, alle Gesichter lachten und glänzten von Fröhlichkeit. Abdallah war betäubt, er hatte alles vergessen, die Tänze und Gesänge hatten ihn so sehr aus sich selbst herausgerissen, daß er mit der Freude eines Wahnsinnigen jedem fröhlich entgegenlachte. Von einer wilden, thierischen Fröhlichkeit berauscht umarmte er bald Omar und dann wieder Zulma, selbst Zulma lächelte zuweilen und spiegelte sich munter in seinen Augen. Die Gesänge jauchzten und Abdallah jauchzte zuweilen laut in die tanzenden Chöre. Auch Ali schien fröhlich, seine Rache war befriedigt und der furchtbare Selim, der einzige Mann in seinem Reiche, vor dem er zitterte, war nicht mehr. —
Eine lange Gestalt drängte sich itzt aus dem Gewühl hervor, dicht eingewickelt in schwarzen Gewändern zog sie einher, ein stiller Schauer begleitete sie, alles wich zurück. — Zu einer Laute hörte man leise singen:
| Die Hölle hat den Sünder angenommen. — |
| Dem Feigen ziemen keine Kronen, |
| Nur der Muth kann sie erringen; |
| Seht ihr den Frevler |
| Unwissend |
| Neben seinem Verderben sitzen? — |