Raschid. Mein Geist erträgt die Leiden nicht mehr, die sich immer höher thürmen.

Abdallah. Deine Liebe, Raschid, wird dich in dein Grab hinuntertragen. — Sei heitrer, verabschiede deinen Gram und werde wieder der blühende Jüngling, der du warst. — Die Liebe soll ja, wie man sagt, in Felsen Paradiese auferstehen lassen und dir —

Raschid. O glücklich, daß du davon wie von einem unbekannten Lande sprichst. — Doch nein, du bist unglücklich. — Ein Wesen ohne Liebe, — eine Laute ohne Saiten. — Für die göttlichsten Empfindungen todt kriecht der Gefühllose im Staube, wenn der Liebende den glänzenden Fittig im Morgenrothe wiegt. —

Abdallah. Und dennoch nennst du dich elend. —

Raschid. Ja und doch möcht' ich meine Liebe nicht zurückgeben, — Freund, nur ein Blick aus ihrem Auge — ach! er würde den Frühling in meiner Seele wieder auferwecken! — Eiserne, unzerbrechliche Ketten halten mich zurück, — ich liebe und darf nicht hoffen, — ich wünsche und meine Wünsche überschreien meinen Verstand; wenn er zuweilen die Stimme erhebt, — o dann treten sie alle bleich zurück. — Mein Unglück hat alle Blumen um mich her ausgerissen und in den Wind verstreut, die Freude hat mich in eine düstre Nacht geworfen und mir ewig ihre Thür verschlossen, — ach Abdallah, ich sterbe gern: denn welcher Wunsch, welche Hoffnung soll mich in's Leben zurückhalten? —

Abdallah. Wer würde nicht wenigstens hoffen? —

Raschid. Ach! wenn ich nur hoffen dürfte! wenn ich nur eine Spalte in der hohen Felsenmauer entdeckte, durch die ich mich hindurchwinden könnte!

Abdallah. Du hast mir aber noch nie den Gegenstand deiner Liebe genannt — wen liebst du?

Raschid. Laß dies noch itzt ein Geheimniß bleiben. — Ach! ich möcht' es mir selber nicht gestehn, daß der Mensch sich seinem Glücke Mauern in den Weg baute, die seiner Ohnmacht spotten, daß — ich kam hierher mich zu trösten und ich gehe trauriger von dir als ich kam.

Abdallah. Wodurch kann ich dich trösten?