Machmud. Unrecht? — Wer von uns beiden thut nicht seine Pflicht? — Ach, Bruder, ich kenne dich nicht wieder.
Omar. Ich habe erst heute hundert Zechinen eingebüßt, dreihundert andere stehn mir auch gar nicht sicher, und ich muß mich auf ihren Verlust gefaßt machen. — Wärst du in der vorigen Woche zu mir gekommen, o — ja, da herzlich gern —
Machmud. Soll ich dich denn an unsre ehemalige Freundschaft erinnern? — Ach, wie tief kann uns das Unglück erniedrigen!
Omar. Du sprichst da auf eine Art Bruder, die mich fast beleidigen sollte.
Machmud. Dich beleidigen? —
Omar. Wenn man alles mögliche thut, — wenn man selbst Noth leidet und fürchten muß, noch mehr zu verlieren; — soll man da nicht gekränkt werden, wenn man für seinen guten Willen nichts als bittern Spott, tiefe Verachtung zurück empfängt?
Machmud. Zeige mir deinen guten Willen, und du sollst meinen wärmsten Dank empfangen.
Omar. Zweifle nicht länger daran, oder du bringst mich auf; ich bleibe lange kalt, ich kann viel ertragen, aber wenn man mich auf solche ausgesuchte Art kränkt —
Machmud. Ich merke es recht gut, Omar, daß du den Beleidigten spielst, um einen bessern Vorwand zu haben, völlig mit mir zu brechen.
Omar. Du würdest nicht auf diesen Gedanken kommen, wenn du dich nicht auf solchen Kleinlichkeiten ertappt hättest. Die Laster argwöhnt man von andern am leichtesten, mit denen man selbst am meisten vertraut ist.