Eben diesen, erwiederte der Vater; der Alte hielt sich wacker, — aber er fiel, — er hat sein Leben rühmlich beschlossen. Wohl jedem Kriegesmanne, der so wie er stirbt! — Ich werde seinen Verlust fühlen; ich liebte ihn, als wär' er mein Bruder. — Aber komm in die Burg, liebe Tochter, der Nebel hängt schon kalt und feucht in den Wipfeln der Bäume, dein Haar flattert in der kühlen Abendluft; mich dünkt, du siehst bleich aus, — du bist doch wohl?
Ihr seid ja wieder hier, antwortete sie schnell.
»Herr Ritter!« sprach ein Knappe, der aus dem Schloßhofe trat, »wollt Ihr nicht in die Burg gehn? Euer Waffenbruder Konrad von Burgfels harrt Eurer drinnen.«
»Konrad? Er sei mir willkommen!« rief Friedrich, und ging in den Schloßhof; Emma, die Hausgenossen und sein Knappe Adalbert folgten ihm. — Adalberts und Emma's Blicke fanden sich. — Wie viel sagten sie sich nicht in diesem Blick! — Die Freude sich wiederzusehn, Dank für die Rettung, zärtliche Besorgniß, — dieß und hundert Fragen und hundert Antworten lagen in diesem einzigen Blicke. — Adalbert führte sein treues Roß in den Stall, Emma ging langsam aber heiter die Wendeltreppe hinan, blickte aus dem runden Fenster noch einmal in den Hof hinab, und begab sich dann in ihr Gemach.
Der wackre Konrad eilte dem Ritter Friedrich entgegen und schloß ihn froh in seine Arme. — »Gottlob!« rief er, »daß ich dich einmal wiedersehe! — Du kommst aus einer Fehde mit Manfred?«
Friedrich. Ja, Freund! und du?
Konrad. Woher? Für mich, weißt du ja, giebt's schon lange keine Fehden mehr! ich komme von meinem alten einsamen Schlosse. — Seit mein Karl nicht mehr da ist, sieht es so öde und verlassen aus. Stehe ich auf dem Altan, oder sehe ich aus den Bogenfenstern, so muß ich immer wider Willen nach dem Berge hinsehn, hinter welchem er zuletzt verschwand; die eisernen Fahnen auf der Burg rufen mir immer den Namen Karl zu, und muß dann jedesmal an den Tod denken. — Ach! es ist traurig, Freund, wenn man alt wird, der Tummelplatz unsrer Wünsche wird dann so eng, wir können nur noch wenig hoffen, — aber dieß wenige wünschen wir mit einer Sehnsucht, mit einer Wehmuth — So lange sich mein Sohn in Palästina unter den Ungläubigen herumtummelt, werde ich dich öfter auf deiner Burg heimsuchen, die Einsamkeit macht mich traurig.
Sie waren indeß in den Saal getreten. — »Setz dich, Freund!« sprach Friedrich, »ich habe dich schier verkennen gelernt, Konrad saß lange nicht auf jenem Sessel.«
Konrad. Es soll von itzt an öfter geschehen. — Du hast ihn geschlagen?
Friedrich. Den räuberischen Manfred, — ja — Zwölf meiner besten Leute hab' ich verloren, es war ein hitziges Gefecht. — Mein Knappe Adalbert, du wirst ihn kennen, hat sich heute wie ein wackrer Mann gezeigt, ohne ihn stand es so so — wir waren schon einmal zurückgetrieben, — ich sage dir, es wird ein tapfrer Ritter, ich will meinen Stolz an ihm erziehn. — Bringt Wein, Buben! —