Die Buben brachten Wein, und die Ritter tranken.
Konrad. Wir leben in unsern Nachkommen wieder auf; ich hoffe, mein Karl soll dem Namen Burgfels keine Schande machen.
Friedrich. Das wird er nicht. Welch ein glücklicher Vater bist du! Es war mein tägliches Gebet zu Gott, mir einen Sohn zu schenken, der mir einst die Augen zudrückte, der nach meinem Tode auf meiner Burg haußte, der — doch, wir wollen ja nicht traurig sein.
Konrad. Du hast es auch nicht Ursach, der weise Himmel erhörte dein Gebet vielleicht darum nicht, um dir Jammer zu ersparen. — Du weißt nicht, wie wehe der Kummer um einen geliebten, oder gar einzigen Sohn der Brust des Vaters thut. Man gewöhnt sich früh an Gram. — Bald siehst du den Knaben auf einen schroffen Felsen klettern, und zitterst bei jedem Schritte; der Jüngling kommt nicht von der Jagd zurück, und bei jedem Wiehern, bei jedem Hufschlag eines Rosses eilst du ans Fenster, aber er ist es nicht, dein schlafloses Auge starrt erwartend durch das Dunkel der Nacht, — und wenn du ihn gar fern von dir weißt, im Gewühl der Schlachten, — erst als Vater macht der Ritter mit der Furcht Bekanntschaft. — Alle Freuden seines vorigen Lebens, jede seligverflossene Stunde, jede schöne Erinnerung, das Glück der Vergangenheit und Zukunft flicht der Greis in einen freudenreichen Kranz und schlingt ihn um den Helm des Jünglings, — ach! und wie viel tausend Schwerter können diesen Kranz zerreissen. Wir setzen unser ganzes Vermögen auf einen Wurf, und in jedem Augenblicke müssen wir zittern, zu verarmen. — Es ist warlich besser der Vater einer hoffnungsvollen Tochter sein!
Friedrich. Du bist undankbar gegen das gütige Schicksal. — Den Knaben zum Jüngling werden sehn, in jeder seiner Thaten sich selbst wiederfinden, — nenne mir eine Freude, die größer sei, als diese. — Und wenn er nun zurückkehrt, wenn er nun von jenem Berg wieder heruntersprengt, vor ihm her der Ruhm, hinter ihm der Jubel des Volks, in seiner Rechten eine erbeutete Fahne, wenn er nun so in deine Arme eilt, wie dann?
Konrad der sich die Augen trocknet. Dann? — Nun dann will ich dir Recht geben, aber eher nicht.
Friedrich. Immer find' ich doch noch in dir den alten Konrad wieder, der jedesmal im Wort- und Lanzenkampf das Feld behalten muß. — Trink! stoß an! auf den Ruhm deines Sohnes!
Konrad. Und das Glück deiner Tochter!
Friedrich. Denkst du, daß ich für sie unbekümmert bin? — Wollen wir mit unsern Kindern tauschen, Konrad?
Konrad. Freund und Waffenbruder! — ein Gedanke kömmt mir wieder, den ich schon oft dachte, wenn ich des Nachts in meiner einsamen Kammer schlaflos lag, und der Wind um den Schloßthurm saußte, — sei du der Vater meines Sohnes, deine Tochter sei mein, doch so, daß keiner von uns das Recht auf sein Kind verliert.