Friedrich. Topp, alter Freund! — Da hast du die Hand eines Ritters, der noch nie sein Wort brach! — Bei Gott und Ritterehre! keiner als dein Karl soll der Gatte meiner Tochter werden, — nur muß er mit Ehre zurückkehren.
Konrad. Das wird er, wenn er zurückkehrt, dafür laß dir den alten Konrad bürgen. Mit Ruhm, oder nie sehn wir ihn wieder. —
Friedrich. Alter Freund! der Wein hat mich sehr froh gemacht. — Welch eine liebliche Zukunft seh' ich emporblühen! — Allenthalben winkt die schönste Blume des Lebens: Vaterfreude! — In diesem Garten wollen wir ruhen, bis wir in einen noch schönern hinüberschlummern.
Die Alten drückten sich schweigend die Hand, ihre Freude war eine wehmüthige geworden; ein Paar große Thränen fielen schwer aus ihren Augen, die sie in einem schönen Irrthum für Freudenthränen hielten. Sie merkten nicht, daß sie der bange Zweifel erzeugte: »Werden diese Träume in Erfüllung gehn?«
Sie saßen noch lange zusammen im traulichen Gespräch, und erzählten sich noch einmal die Geschichte ihrer Jugend und ihres männlichen Alters. Die Gesichter der Greise glühten voll Jugendkraft, beide vergaßen, daß sie Greise waren.
Die Mitternachtstunde rief sie endlich von ihrem Gespräche ab, jeder ging heiter in sein Schlafgemach.
Alles schlief schon in der Burg, der aufgehende Mond brach seine dämmernde Strahlen durch die Bogenfenster; eine heilige Stille schwebte über Flur und Wald mit leisem langsamen Fluge, nur die Burgglocke tönte durch die feierliche Einsamkeit: als die leisegezogenen Schritte Emma's längst den Wänden des großen Ganges, der die Zimmer der Burg theilte, hinrauschten. Sie hatte Adalbert in der Ferne gesehn, und schien ihm itzt wie von ungefähr zu begegnen.
Beide blickten sich froh in's Auge, denn sie wurden itzt von keinem Überlästigen beobachtet. »Meine Emma!« rief Adalbert aus, und schloß das Mädchen rasch in seine Arme.
»Bist du endlich wieder da?« fing Emma an, — »O! wüßtest du, wie vielen Kummer du mir indeß gemacht hast, die ganze Burg war mir indeß so eng wie ein Gefängniß, die Flur war für mich ein Klosterzwinger, denn Berge und Wälder schlossen mich ja ringsum ein und trennten mich von dir. — Der Garten schien mir öde und finster, das Blaue des Himmels hing düstrer als sonst über meinem Haupte — sage mir doch, — was hat itzt alles wieder so hell und frei gemacht?«