Adalbert. Die Sonne der Liebe, Emma!

Emma. Dein schönes Auge, Adalbert! — Ach! wie viel hab' ich um dich gelitten, itzt erst weiß ich es, wie theuer, wie unentbehrlich du mir bist. Beständig hab' ich an dich gedacht, und wenn meine Phantasie auch noch so fern umherschwärmte, so war die Rückkehr zu dir, ihrer lieben Heimath, doch stets das nächste: der Gedanke, der der fernste schien, war doch unmittelbar eins mit der Liebe. — Bei Dingen, wobei ich bis itzt nichts dachte, dacht' ich sehr viel, Vergangenheit, Zukunft und — dich! — Ich schwatze, lieber Adalbert! aber die Freude ist ja geschwätzig. —

Adalbert. Und welcher Liebende hörte dieß Geschwätz nicht gern?

Emma. Neulich ging ich jenen verdorrten Baum vorüber, — ich bin vor ihm hundertmal vorübergegangen, aber nicht mit diesem sonderbaren Gefühl — ich dachte plötzlich an jenes Jahr, in welchem er noch grünte; ich war noch ein Kind, als ich einst an ihn gelehnt die Frühlingsflur überschaute; — er blühte damals so schön, die Sonne glänzte so hell in seinen zitternden Blättern, o! wie fröhlich war ich damals, — die ganze Natur und der Baum schien mit mir fröhlich; — itzt stand er da, als wenn er mich traurig ansähe, als wenn es ihn schmerzte, daß er nicht mehr fröhlich seyn könnte. — Wie ganz anders war itzt alles um mich her als ehemals, und doch war mir diese Erinnerung nur wie von gestern. — Ach! Adalbert! da dacht' ich an dich und mich. —

Adalbert. Du erschreckst mich, Emma! ich war so heiter, du hast mich traurig gemacht.

Emma. Du glaubst nicht, Adalbert! wie sonderbar mir in diesem einzigen Augenblicke die Welt vorkam; die Vergangenheit schien mir ein Traum, die Zukunft ein Schatten. — Wie der Frühling entflieht dein Glück, sagte mir der ernste Baum; du wirst bald, sehr bald unglücklich sein. —

Adalbert. Verjage diese schwarze Ahnungen, laß diese grausamen Spiele deiner Einbildung! — Emma kann, darf nicht unglücklich sein!

Emma. Daß sie es kann, empfand ich in jedem Augenblicke deiner Abwesenheit. — Ach Adalbert! ich fange an zu glauben, daß Unglück sehr wohlfeil sei, und ich will mich an diesen Gedanken gewöhnen.

Adalbert. Du hast Recht. — Unglück ist ja der Preis, um den wir unser weniges Glück in diesem Leben erkaufen müssen. — Du seufzest, Emma? — Himmel! du weinst? — O! ich verstehe diese Seufzer, diese Thränen. — Könnt' ich doch das Schicksal fragen: Wird Emma einst die Meinige?

Emma. Um gewisses Unglück für ungewisse Hoffnungen einzutauschen? Laß sie ungewiß seyn, es sind doch immer Hoffnungen.