Er kniete nieder und stand als Ritter wieder auf.
Manfreds Schaar war gänzlich zerstreut, und die Ordnung in Friedrichs Burg wieder hergestellt. Das Feuer hatte durch Adalberts Vorsorge nur wenigen Schaden thun können, und obgleich viele von Friedrichs Kriegern gefallen und verwundet waren, konnte dieser doch dem Glück und Adalbert Dank sagen, daß er den verrätherischen Überfall nicht theurer hatte bezahlen müssen.
Konrad von Burgfels verließ Friedrichs Veste, um die seinige zu besuchen, der nächtliche Überfall hatte ihn besorgt gemacht; er reiste mit dem Versprechen ab, in kurzer Zeit wieder bei seinem Waffenbruder einzukehren.
Unmuthig ging indeß Adalbert im Schloßgarten auf und ab, denn sein Gedächtniß wiederholte ihm alle Vorfälle dieser Nacht mit den kleinsten Umständen. — »Adalbert!« rief er endlich aus, »was hast du gethan? —« Unbesonnen hast du den großen Augenblick deines Lebens verscherzt, in welchem die Waage deines Glücks im Gleichgewichte stand; — kam es nicht bloß auf dich an, glücklich zu seyn? — Ein Wort aus meinem Munde, und sie war mein, ewig mein! — Dein? Ist das so gewiß? — Welcher Sterbliche wagt es, so frech das ganze Glück seines Lebens einem einzigen Hauche anzuvertrauen? — Hätte mir nun das Nein wie meine Sterbeglocke fürchterlich aus seinem Munde getönt, Adalbert, wie dann? — Itzt bleibt dir doch noch die tröstende Hoffnung. — Aber hoffen, und ewig nur hoffen, indeß sich meine Kraft aufzehrt, und das Ziel meines Glücks immer weiter aus meinen Augen gerückt wird. — Hoffnung! dieser ärmliche Ersatz für Genuß, dieser schadenfrohe Schatten, der ewig uns freundlich winkt und uns so in unser Grab lockt, — lieber Gewißheit des Unglücks als dieses peinliche Schwanken zwischen Zweifeln und Hoffen, lieber sterben als in jedem Augenblick den Tod fürchten. Und muß ich nicht doch irgend einmal mein ganzes Glück einer Frage anvertrauen? — Ja! es sei gewagt, noch heut muß sich mein Schicksal entscheiden, — und was wag' ich denn dabei?
»Was?« fuhr er seufzend nach einer Pause fort, »die ganze Seligkeit dieses Lebens. Wie wird die ganze Welt verdorren, wie werden alle meine Freuden hinwelken, wenn der verdammende Urtheilsspruch mir tönt! — Aber sei's! der hat noch dem Glücke keine Krone abgewonnen, der nicht mit ihm zu würfeln wagte, — mag das Spiel um Tod und Leben gehn! — was ist mir ein solches Leben? der Tod sei mir willkommen! —
»O daß ich jenen Augenblick nicht benutzte! Jahre werden ihn mir nicht wieder anbieten, er nannte mich Sohn — Wird er mich je wieder so nennen? — Kenne ich nicht Friedrich, der so stolz auf seine Schätze ist?
»Und wer hat ihm diese erhalten? Und bin ich itzt nicht Ritter so wie er? — Itzt sind wir uns gleich, und die vorige glückliche Nacht hat mich noch über ihn gestellt.
»Stolzer Adalbert! Wer nahm dich verwaisten Knaben auf? Wer erzog dich? Wem dankst du dein Leben? — O, ich fühl' es! dieser Kampf meiner Seele wird nie enden.«
So stritt Adalbert lange mit sich selbst. Er ging heftig auf und ab, bald stand er plötzlich still und heftete den Blick auf den Boden, dann ging er langsamer, stand wieder still, bis er erschrocken wieder auffuhr, und noch schneller auf- und niederging.