Die Trompete des Herolds erschallte und das Turnier nahm seinen Anfang, als auf einem schwarzen muthigen Rosse sich ein stattlicher Ritter den Schranken näherte. Er ward eingelassen und zog sogleich die Augen aller Anwesenden auf sich — Emma verglich ihn in Gedanken mit Adalbert, der weniger groß, nicht diesen majestätischen Anstand hatte. Sie gestand sich, der Fremde sei schöner als Adalbert und alle ihre Wünsche erflehten ihm den Sieg. — Konrad dachte an seinen Sohn und seufzte.

Der fremde Ritter schwang seine Lanze mit einer Leichtigkeit, welche zeigte, daß ihm dieses Spiel nicht unbekannt sei. Er betrachtete Emma genau, er hatte sie sich dem allgemeinen Rufe nach schöner gedacht, ja eine vollkommene Schönheit erwartet; er fand sich sehr getäuscht; aber doch zog ein unbeschreibliches Etwas ihres Gesichts seine Blicke stets wieder nach ihr zurück, er fing an zu glauben, daß eine vollkommene Schönheit für das Herz selten so gefährlich sei, als ein anziehender Blick und ein Mund, um den Gram und Heiterkeit stets zu kämpfen scheinen. — Emma schlug einigemal die Augen nieder und erröthete. —

Das Turnier war geendigt, dem fremden Ritter ward einstimmig der Dank zuerkannt, er kniete nieder und empfing ihn aus der zitternden Hand des Fräuleins. — Er öffnete sein Visir, es war Wilhelm von Löwenau.

Emma's Blicke trafen auf die schwarzen feurigen Augen des Ritters und sanken in eben dem Augenblick beschämt auf ihr Busentuch; sie fühlte, daß in diesen Blicken etwas mehr als Neugier gelegen habe, aber doch konnte sie sich nicht enthalten, die Augen noch einmal aufzuschlagen, um den Anblick der vollkommnen männlichen Schönheit zu genießen. Löwenau kniete noch immer zu ihren Füßen und verschlang sie mit seinen Augen; das Geschmetter der Trompeten weckte ihn endlich aus seinem süßen Rausch und er erhob sich.

Friedrich eilte auf ihn zu und umarmte ihn, auch die übrigen Ritter begrüßten ihn und man begab sich zur Tafel.

Wilhelm von Löwenau saß als Sieger obenan und ihm gegenüber die schüchterne Emma, die jeden Gedanken an Adalbert zu verbannen suchte. — Löwenau aß und trank nur wenig, er schien unruhig und nachdenkend. Jeden Blick Emma's begleitete er und verweilte mit seinen Augen oft lange auf ihr. — Das Mahl war geendet, Emma ging in ihr Gemach und man brachte den Rittern die Pokale. Löwenau stand auf und ging in den Burggarten.


Mit niedergesenktem Haupte und verschlungenen Armen ging er hastig auf und ab, als ob er einen verlornen wichtigen Gedanken wiedersuche. — Er stand still, lehnte sich an einen Baum, und sahe mit einem wehmüthigen Blick nach den Fenstern der Burg hinauf, auf denen schon der sanfte Schimmer des Abends zitterte. Emma stand von ohngefähr an ihrem Fenster und ging wieder zurück, als sie den Ritter erblickte.

War das nicht Emma? rief er aus. — Warum klopft mein Herz ungestümer bei dem Gedanken? — Emma. — Wie gleichgültig tönte mir noch gestern dieser Name! Welche verborgene Zauberei hat sich in den Klang gemischt, daß heut mein Blut ihm schneller hüpft? Ist dieß Liebe, Wilhelm?

Nein, nein, sie ist die Verlobte meines Freundes, meines Erretters. — Es kann nicht Liebe sein. Liebe, sagt Adalbert, macht menschlicher, wohlwollend gegen jedes Geschöpf, und ist mir doch, als ob ich den Namen Adalbert haßte seit ich den Namen Emma liebe! — Nein, es ist nur Zuneigung, nur der erste starke Eindruck, den jeder neue Gegenstand macht. — Zuneigung? Mehr nicht? Und warum konnt' ich es nicht über mich gewinnen, ein Wort mit dem Ritter zu sprechen, der neben ihr saß? Wie konnt' ich ihn beneiden, daß ihn der Saum ihres Kleides berühre? Warum haßte ich jeden, den nur einer ihrer holdseligen Blicke traf? Was machte mich glühend heiß, wenn ihr Auge auf mir verweilte? — Freundschaft ist dieß Gefühl nicht, wenn es nicht Liebe ist, so bin ich wahnsinnig! — ist es aber Liebe, so soll Adalbert sehen, wie ein Mann eine Leidenschaft besiegt.