Besiegt? als ob hier schon etwas zu besiegen wäre. — Als ob es schon ausgemacht wäre, daß ich sie liebte! — Es kann, es darf nicht sein. Ich will mich mit aller meiner Männlichkeit panzern; sie gehört Adalbert, er liebt sie, sie ihn, ich habe sie ihm versprochen, — ein Mann, ein Ritter muß auf sein Versprechen halten und wenn er selbst darüber zu Grunde ginge.
Er eilte in die Burg zurück, und freute sich dieses Sieges.
Emma hatte sich indeß einigemal wieder dem Fenster genähert, ohne von Löwenau bemerkt zu werden. Sie konnte den schönen Mann nie ohne eine gewisse Theilnahme sehn und diese Theilnahme ging sehr bald in den Wunsch über: wenn dieser dich liebte! Ohne es selbst zu wissen, spann sie denn diesen Traum weiter aus, und die spielenden Phantasieen schlossen mit der Frage: Du liebst ihn also?
Sie erschrak nicht mehr über diese Frage, schon während der Mahlzeit hatte sie sich an diesen Gedanken gewöhnt. — Ganz leise fing ihr Herz an diese Frage mit Ja zu beantworten; sie hatte ihn schon geliebt, ehe sie noch die Möglichkeit dieser Liebe dachte, itzt gab sie erst zu dieser Liebe nur noch ihre Einwilligung. Dieß war der erste Augenblick, in welchem sie eine Art von Freude darüber empfand, daß Adalbert nicht in der Burg zugegen sei, das Andenken seiner Liebe lebte nur noch ganz schwach in ihrer Seele, nur wie die Erinnerung des gestrigen Abendmahls beim majestätischen Aufgang der Sonne. Sie fühlte, daß sie ihren Adalbert noch lange nicht so geliebt habe, als sie lieben könne, ja sie fing so gar an, sich ihre Gefühle abzustreiten, er war wie sie jetzt glaubte, nur ihr Freund gewesen. Durch die Erscheinung Löwenau's war überhaupt auf sein Bild jener Schatten der Gleichgültigkeit zurückgeworfen, aus dem die Liebe den geliebten Gegenstand an das hellste Licht hervorzieht. Alle Vollkommenheiten, die sie einst an Adalbert bewunderte, fand sie ungleich vollkommner an Löwenau wieder und jener behielt am Ende nichts als seine Fehler, die sie sonst immer zu seinen Vorzügen gerechnet hatte; und da man auch andre gern seiner eignen Fehler wegen anklagt, so glaubte sie darin, daß er nicht wenigstens Abschied von ihr genommen habe, einen Beweis zu finden, daß auch er sie nie geliebt habe. — In dieser Voraussetzung fand sie sehr viel Beruhigendes, und darum ward sie endlich Überzeugung.
Die Liebe stimmt die Empfindung feiner und roher, erhabner und niedriger; den vorher gemeinen Menschen erhebt sie oft zum Edelmuth; der Edle sinkt zum Gemeinen hinab, ein und ebenderselbe Gesang, der auf jedem Instrument in andern Tönen lebt. Was Emma sonst immer mit Verachtung angesehn hatte, schien ihr itzt wichtig; der geschmückte Löwenau gefiel ihr um ein großes Theil mehr als er ihr ohne Schmuck würde gefallen haben, sie gestand sich dieß Gefühl, und beschloß von jetzt an auch auf ihren Putz mehrere Aufmerksamkeit zu wenden. Sie sahe sogar die Erinnerung an Adalbert darum etwas gleichgültiger an, weil er nur ihres Vaters Knappe gewesen war.
Löwenau wollte eben durch den großen Gang in die Versammlung der Ritter gehn, als Emma, vielleicht zufällig, vielleicht mit Vorsatz, weil sie ihn hatte zurückkommen sehn, aus dem Gemache trat.
Ihr hier, Fräulein? rief Löwenau etwas hastig.
Sie wurde roth, denn sie glaubte in diesen Worten und in der Art, wie er sie sprach, einigen Unwillen des Ritters zu entdecken, oder den Gedanken, sie sei seinetwegen gekommen. — Um in den Garten zu gehn, antwortete sie, indem sie rasch vorbeihüpfen wollte. —
Ihr flieht mich? sprach der Ritter.