Omar trat hervor. — Der zarte gefühlvolle Jüngling, sprach er, taugt noch nicht für Männer Unternehmungen. Tausend zärtliche Besorgnisse für seinen Vater würden sein Innres zerreissen; sein Geist steht itzt noch in der Blüthe und kann noch keine Früchte treiben; diese Gedanken würden ihm Ruhe und Schlaf rauben und seine Hülfe würde uns unmerklich sein. — So tragen wir ihn schlummernd den steilen Fels hinan, auf dem ein Schwindel ihn wachend seiner Vernunft berauben würde. Wenn er oben steht, dann wecken wir ihn sanft und er wird uns unsre zärtliche Sorgfalt danken.

Alle stimmten ihm bei und man beschloß am folgenden Tage sich von neuem zu versammeln, um über die Mittel zur Ausführung ihres Entwurfs zu berathschlagen. Dann ging man froh auseinander und ein jeder nahm große Gedanken und schöne Entwürfe in seiner Brust verschlossen mit sich.


Sechstes Kapitel.

So untergruben Selim und Omar den Thron Ali's; unbefangen ging Abdallah neben allen Gefahren hin, die er nicht sahe, das Gewitter zog sich in schwarzen krausen Wolken über ihn zusammen, aber er hörte nicht den Sturm, der von allen Bergen her die Dämpfe zusammenjagte, unbesorgt ging er in seiner Unwissenheit dreist einher, wo er, in das Geheimniß der Verschwörung eingeweiht, sorgsam prüfend den Fuß auf die schwankende Brücke gesetzt hätte und zitternd sich umgesehn, ob nicht unter ihm die Pfeiler stürzten.

Der Sonnenschein hatte ihn aus seinem Hause gelockt, er wollte eben die Stadt verlassen, als ihm Raschid begegnete.

Sei mir willkommen Freund! rief ihm Abdallah entgegen.

Raschid war traurig wie gewöhnlich und erwiederte Abdallah's Gruß mit niedergeschlagenem Blicke.

Du bist traurig, sprach Abdallah, komm mit mir in die schöne Natur, der Frühling wird dich heitrer machen.

Itzt nicht, antwortete Raschid, nöthige Geschäfte rufen mich zu Ali; aber wenn die Sonne untergeht, dann erwarte mich auf der steinernen Bank, dem Pallast gegen über. — Er entfernte sich schnell und Abdallah ging durch die Thore der Stadt.