Itzt sank der letzte goldne Streif des Abends nieder und aus Osten stiegen Schatten mit großen Schritten auf; er weinte und wußte nicht, warum eine Thräne sich so heiß aus seinem Auge drängte.

Sinnend ging er auf sein Zimmer, wiegende Wogen trugen ihn auf dem Bache der süßen Schwärmerei hinauf und hinab, ermüdet schlief er ein.

Die Zukunft strömte ihm hell und glänzend entgegen, wie ein Quell dem durstigen Wanderer, goldne Träume umfingen ihn und Zulma's Gestalt stand in den Träumen. — Er war so glücklich, daß er nie hätte erwachen mögen.


Siebentes Kapitel.

Die Traumbilder wickelten sich leise aus Abdallahs Armen und er erwachte. Zulma war sein erster Gedanke, der gestrige Abend stand vor ihm und seine Einbildung holte ihm jede seiner gestrigen Empfindungen zurück. Alles lag ahndungsvoll wie ein Traum vor seiner Seele, oder wie eine mondbeglänzte Gegend, er zweifelte an allen seinen Gefühlen, durch ihre ganze Harmonie wand sich sein Geist hindurch und suchte die Quelle, aus der dieser Strom seiner umgewandelten Empfindungen geflossen sei.

Ein früher Strahl des Morgens zitterte durch sein Fenster, er öffnete es und sahe sinnend in die schöne Gegend hinaus. Ein frischer, kühlender Hauch kam ihm entgegen, die Sonne schimmerte auf den Wellen des Flusses und brannte golden an den Fenstern der hundert Palläste umher, ein dünner Nebel sank in den Fluß zurück und durch den Himmel war ein purpurnes Meer ausgegossen. Durch jedes Wolkengebilde blickte Zulma's Gestalt hindurch, sie stand in den Sonnenstrahlen, die sich auf den Wellen brachen und lächelte ihm entgegen, in den Gebüschen am gegenüberliegenden Berge säuselte ihr Name, die ganze Natur umher war nur ein Wiederhall seiner Empfindungen. — Dürftig und ohne Reiz schien ihm alles, was er vor dieser Umwandlung gefühlt hatte, seine Phantasie war nun erst mündig geworden und verschmähte ihr voriges kindisches Spielwerk, seine erhabensten Gedanken reihten sich willig an das, vor dem er sonst kalt und ohne Empfindung vorübergegangen war, ein heiliges Entzücken flüsterte im Grase und spielte in der Gluth der Wolken, wie ein großes verschloßnes Buch hatte sich ihm die ganze Natur aufgeschlagen.

Raschid trat herein, als Abdallah sich noch seinen Schwärmereien überließ, er wollte seinem Freunde Vorwürfe machen, daß er sein Wort gebrochen und ihn am Abend nicht erwartet habe, dieser aber hörte nicht, was er sagte, sondern sprach mit seinen Träumen und wußte kaum, daß Raschid neben ihm stand. Dieser verließ ihn endlich voll Verdruß, als ihm Abdallah nur durch einzelne unzusammenhängende Töne antwortete.

Abdallah hatte sich und sein ganzes Wesen vergessen, er hing glühend an seinen Phantasieen und Omar und seine traurige Weisheit war von seinen neuen Gefühlen verschlungen. — Vordem hatte er mit Kindlichkeit die Tugend und sich geliebt, alle Räthsel, die vor ihm lagen, hatte ihm Niemand Räthsel genannt und er stand unbefangen vor ihnen; seit jenem Abend, an welchem Omar ihn in seine Weisheit eingeweiht hatte, schien ihm alles Glück der Einbildung erloschen, die schöne Hülle war von der Natur abgefallen und er sahe nur das nackte Gerippe; er hatte schon daran verzweifelt, daß ihn je wieder ein Strahl aus den glücklichen Tagen seiner Unwissenheit anfliegen könnte, — und itzt schmückte sich alles schöner als je, so zauberreich stand noch nie die Wirklichkeit vor ihm, so geläutert und rein hatte noch kein Gefühl in ihm geklungen.

Omar trat herein, aber Abdallah bemerkte ihn nicht. — Worüber denkst du? fragte ihn dieser. — Über nichts, fuhr Abdallah erschrocken auf und Omar entfernte sich wieder. Abdallah war so froh, als ihn sein geliebter Lehrer verließ, als wenn eine lästige Gesellschaft von ihm gegangen wäre; er überließ sich ungestört seinen Schwärmereien, wie jemand, der in einem schönen Traum erwacht und wieder einzuschlafen sucht. — Was ist dir, mein Abdallah, sprach Omar nach einiger Zeit, indem er von neuem hereintrat.