Abdallah schwieg. — Was hat dich so tiefsinnig gemacht? fragte ihn Omar mit freundschaftlicher Unruhe.

Omar! stammelte Abdallah, sieh die Natur, die unendliche, unbegränzte, sieh, wie tausend Schönheiten mich anlächeln und tausend schlafende Empfindungen in meinem Busen wecken. Sieh, wie die Herrliche ausgegossen von mir liegt, vom himmlischen Reiz umfangen. Wie des Morgens Gluth sich durch die Wolken schwingt, wie die blühende Erde sich lächelnd in die Arme des Himmels schließt, sieh, wie alles rund umher in dem lebendigen Glanze schwelgt, — o daß ich diese Göttlichkeit an mein Herz drücken könnte und mit Seligkeit gesättigt in den hohen allgemeinen Wohllaut zerfließen!

Es ist nicht das, sprach der ernste Omar, indem er Abdallahs Hand ergriff, du willst deinen alten Freund hintergehen und das solltest du nicht. Du warst mir noch nie verschlossen, noch nie vergaßest du über deine Empfindungen mich, noch nie brannte dein Auge so wie itzt, — noch nie suchtest du deinen Blick meinen Forschungen zu verbergen, — nein Abdallah, noch nie strebtest du deine Hand aus der Hand deines Freundes zu ziehn. —

Abdallah sahe nieder und schwieg; Omar hatte die geheimsten Geberden seines Geistes verstanden, er suchte daher beschämt seine Gesinnungen zu verbergen und dann war er wieder im Begriff, dem Freund mit seinen innigsten Gefühlen entgegen zu gehn. Sein Gesicht glühte, seine Blicke irrten ungewiß auf den Boden umher und suchten einen Gegenstand, der sie fesseln könnte. — Omar fuhr fort:

Hast du denn alles Vertrauen zu mir verloren? — Bin ich nicht mehr Omar, dein Freund? Warum willst du dich mir verbergen? Entdecke dich mir, unsre Seelen sind sich ja verschwistert, laß mich dein Glück oder Unglück mit genießen oder leiden; seit wann ist Abdallah so eigennützig geworden?

Er schwieg und Abdallah wollte sprechen, aber eine heiße Thräne stieg in sein Auge, ein großer Seufzer erstickte seine Worte, seine Hand zitterte in der Hand Omars, dieser ließ sie mit freundschaftlichem Unwillen fallen.

Ich habe mich geirrt, dies ist nicht mehr mein Abdallah, so stehen Omar und er nicht mit einander. — Gut, ich muß dein Vertrauen noch erst zu verdienen suchen. — Er wollte gehn. —

Nein, nein, Omar, rief ihm Abdallah heftig nach, bleib! o ich will ja zu dir sprechen. — Doch was soll ich dir sagen? Wie wirst du mich verstehn, da ich mich selbst nicht verstehe? — Es giebt keine Worte, keine Sprache, in der ich alles so lebendig, so lauter hingießen könnte, wie es hier in meinem Herzen strömt und lebt! — Könnt' ich dein Herz in das meinige legen, deinen Geist in den meinigen schmelzen, o dann, dann würdest du mir die Worte ersparen und mich ohne Sprache verstehn!

Omar. Seelen, die sich so vertraut sind, wie die unsrigen, legen in die Worte jene Empfindungen hinein, die keine Beschreibung ausfüllt, den geistigen Hauch, der sich in keinen Tönen festhalten läßt, — darum werd' ich dich verstehen.

Abdallah. Aber kann deine ernste Weisheit auch dem jungen Freunde verzeihen?