Bei diesem Ringe soll ich an meinen Omar denken? fragte Abdallah mit schwerem Schmerz. Omar sah ihn mit einem ungewissen Blick an und wollte gehen, er kehrte wieder zurück. — Noch, sagte er, habe ich dir eine Botschaft zu bringen, die dein Herz bis oben an mit Freuden erfüllen und jeden Kummer ertränken muß, oder meine Freundschaft hat vergebens gehandelt. Höre!
Abdallah erwartete ungeduldig die Nachricht.
Zulma liebt dich! rief Omar.
Zulma? und zugleich sprang Abdallah heftig auf, — o dann bin ich mit mir selber wieder ausgesöhnt! — Zulma? — Unendliche Wonne kömmt mir in diesem Ton entgegen! — Zulma? — Nicht möglich! — So plötzlich kann die feindselige Wirklichkeit nicht auf die andre Seite springen! — O Himmel! wie verächtlich liegen dann alle meine Klagen vor mir! — Sie liebt mich? — O nun — nun mag das Unglück gedrängt um mich wimmeln — vor diesem Worte flieht alles rückwärts. — Omar, dieser Talisman schützt mehr als der deinige, nun bin ich dir wieder gleich, denn nun bin ich mehr als ein Mensch! — Dein Freund und Zulma's Geliebter! O wo ist der Sterbliche, der mit mir um den Rang nach der Gottheit stritte? — Aber nicht möglich! — Wie kann — o du willst mich täuschen, Omar, um mich wieder lächeln zu sehn, du grausam zärtlicher! In eben so vielen Worten wird noch tausendfacher Elend liegen, als diese Seligkeit enthielten. — Omar, sprich, schweige nicht, — in einem Worte Seligkeit oder Verdammniß, — o auf Jammer bin ich nun ja schon gefaßt, sprich es aus: sie liebt mich nicht!
Omar. Nein, beim Schicksal! sie liebt dich, — laß mich sprechen. Ich sahe in die schwarze Tiefe deines Unglücks und suchte einen goldnen Sonnenstrahl in die Todtengruft hinabzuleiten. Schnell mußte die Rettung sein, oder du warst verloren. — Ich eilte zu Zulma, (wie ich die hundert Schwierigkeiten überwand, das sei dir itzt gleichgültig) ich sprach von dir, sie kannte dich, sie hat dich schon seit lange bemerkt, ohne von dir bemerkt zu werden, ich schilderte deine Liebe, sie ward gerührt. — Ja! rief sie aus, ich will ihn erhalten! Gehe mit dem Geständniß zu ihm zurück, daß ich keinen als Abdallah liebe.
Abdallah. Keinen als Abdallah? — O nun erst ist mir dieser Name theuer, von itzt an will ich stolz werden, Abdallah zu sein. — O Omar, wäre diese Empfindung nicht so übermenschlich, sie würde mich unglücklich machen, denn nun bleibt mir ja nichts zu wünschen übrig.
Omar. Auch nicht sie zu sehen, sie zu sprechen?
Abdallah. Zu sehn? Zu sprechen? Zeige nur die Möglichkeit, und ich muß, ich muß sie sehen! —
Omar. Abdallah, laß nur die Vorsicht neben deiner Liebe gehn und die trunkene durch die Gefahren sicher geleiten. — Sie selbst hat mir die Möglichkeit gegeben. — Dort, jenseit des Flusses siehst du die Mauer, die sich um den Garten des Sultans zieht, eine alte Cipresse steht dort am Ufer, nach jener Stelle fahre in der Nacht, in dieser Nacht, du wirst Gesang und die Töne einer Guitarre hören, antworte mit deiner Laute und übersteige dort die Mauer des Gartens — und du findest Zulma allein, nur von einer vertrauten Sklavin begleitet.
Abdallah umarmte Omar heftig, er schluchzte vor Wonne, und Thränen erstickten seine Worte. — Fort! rief er, ich kann nicht danken! —