»Wie mit tausend kalten Armen hielt es mich eingeklammert, wie in den unerbittlichen Tod schritt ich hinunter.
»Plötzlich fuhr ich bebend zurück. — In einer halb dunkeln Grotte saß ein Greis und lächelte mir mit einer Freundlichkeit entgegen, die mehr dem Zähngeknirsch eines Ungeheuers glich. Ein weißer Bart sank bis auf seine Füße hinab und deckte sein Gesicht. Ein fremdes mir unbegreifliches Wesen sahe aus seinen wilden Augen, er hatte bloß das Ansehn eines Menschen, um die Menschheit von sich zurückzuscheuchen. — Sein Anblick hatte mich bis in das Innerste meiner Seele erschüttert und ich wagte es nicht, die Augen zum zweitenmal auf ihn hinzuwerfen: ich hatte allen sanften Gefühlen Abschied gegeben und die Schauder vertraulich in meinem Busen aufgenommen, — aber hier fand ich ein Wesen, vor dem meine Frechheit Demuth ward, alle meine Verwegenheit sich in banges Grauen auflöste.«
»Wer bist du? rief er mir in Tönen entgegen, wie ohne Klang und Athem; sie kamen zu mir, wie aus einer fernen Welt und sprachen in Accenten, von denen kein sterbliches Ohr eine Ahndung hat und haben kann.«
»Ein Wesen, schrie ich ihm entgegen, das sich selber nicht begreift! Meine Menschheit hab' ich jenseit diesen Klippen ausgezogen! — Das Leben hat keinen Reiz für mich, ich will in der Wildniß meine Freude suchen.«
»Mondal schwebte mir entgegen und stierte mich mit einem Blicke an, der meine Seele mit Riesenkräften zusammendrückte.«
»Du bist das erste Wesen, sprach er, das mein Angesicht sieht, ich sitze hier und faste der Ewigkeit entgegen und noch kein Staubgeborner hat es gewagt, mich in meinem Hause zu besuchen, wo ich mit dem Grausen spiele und Schauder mir die Zeit verkürzen. — Was suchst du hier?« —
»Was ich hier oder nirgends finde, antwortete ich zitternd, ich schäme mich ein Mensch zu sein, nimm du mich in deine Gesellschaft auf und vergönne, daß ich deinen Geist begreife und dir ähnlich werde.«
»Er sahe mich an und lachte fürchterlich auf, daß die Felsen umher in ihren Wurzeln wankten. — Vermessener! rief er dann: — Du verläugnest die Menschheit und doch zeigen deine Worte, daß du ihr noch zugehörst. Ein Funke, der von mir zu dir herüberleuchtete, würde dein Wesen zersprengen. Dank' es meiner Verachtung, daß mein Anblick dich nicht tödtet!«
»Nun dann, sprach ich mit knirschender Verzweiflung, so bleibt mir keine Hoffnung übrig, als meine Vernichtung!«
»Vernichtung? antwortete der Furchtbare und zog den Mund zum Grinsen, so kalt und todt wie die Felsen umher. Was ist, kann nicht vernichtet werden, die Ewigkeit hält dich fest, so lange die Zeit dauert, dauerst du selbst. Du kannst dich tödten und in eben dem Augenblick stehst du ein neues Wesen in deiner eignen Verdammniß wieder da, — so hat es der Gütige dort gewollt, der alles mit seiner Milde umfängt. O! wenn Vernichtung möglich wäre, wenn wir uns selber angehörten und beherrschten — o dann wäre noch Glück in seiner Schöpfung!« —