Nadir ergriff seine Hand und sprach einige Worte. — Plötzlich sank unter ihren Fußen die Erde ein und sie standen in einem weiten unabsehlichen Felsengewölbe. Eine matte Dämmerung goß sich durch das Steingemach aus, an tausend hervorragenden Spitzen zuckte ein bleicher Schimmer und fluthete in grünen Strahlengeweben durcheinander, ein betäubender Duft wälzte sich in leichten Wolken empor und schimmerte wie ein Nebel, oben lag eine schwarze Finsterniß, eine Mauer, durch die kein scheuer Strahl des Sternenlichtes zitterte. Ein leises Brausen rauschte wie ein Gespenst in der Ferne dahin und aus den Steinen sprangen Strahlen und verflogen wie sinkende Sterne.
Vergiß meine Worte nicht, sagte Nadir noch einmal, laß dich nicht täuschen, sondern gehe kühn durch jene Gestalten, die sich dir mit allen Schaudern entgegenwerfen werden. So ungestalt und wunderbar, in so seltsamen Schreckgebilden sich auch die Nichtigkeit verkleiden mag, so vergiß nie, daß es nur Dünste sind und keine Wirklichkeit, daß alles ohne Gewalt um dich herum spielt und nicht an dich hinandringen kann, ein eherner Schild ist vor deiner Brust gehalten, laß die Wesen daran vorüberrauschen, so lange dein Muth dich aufrecht hält, können sie dir nicht schaden. —
Und wann, fragte Abdallah, wann ist mein Glück entschieden? —
Noch in dieser Nacht antwortete der Greis, lös't sich alles auf; gewinnst du das Kleinod, so ist es dein vor dem Aufgang der Sonne, so kömmt dir dein Vater und Zulma mit der Morgenröthe entgegen und bringt dir deine verlorne Ruhe wieder. —
Aber nur eine Ahndung, sagte Abdallah dringend, nur ein Wink meinem Geiste, wie dieses schwere Räthsel aufzulösen möglich sei. —
Ich darf nicht sprechen, antwortete Nadir mit ernstem Blick, denn sähest du in der Tiefe der Ungewißheit den Nachen der Zukunft schwimmen, dränge dein Blick bis auf den Boden des Abgrunds, in den du hinuntersteigen sollst, o so wäre dein Unternehmen kein Kampf, vor dem man zurückzagen könnte, das Verdienst des Wagens ginge unter und Abdallah wäre ein falscher Spieler, der dem Schicksal mit Betrug sein großes Glück abgewönne.
Er schwieg und ließ dann unwillig die Hand Abdallahs fahren. — Aber du traust mir nicht, setzte er mit Verdrossenheit hinzu, das sagt mir dieser Ring. — O möge dich dies Mißtrauen nie gereuen! — Itzt lebe wohl. —
Er ging zurück und verschwand plötzlich in die Felsenwände.