Das Kochen seines Busens ward wüthender, er schlug heftig an seine Brust. Sein Kopf drehte sich gewaltsam hin und her, und seine Augen glühten und schwangen sich herum wie Feuerräder. — Ein Grinsen fletschte plötzlich aus seinem Munde hervor, er brüllte und hielt dem bebenden Abdallah ein knirschendes Lächeln in starrer Wuth entgegen. Abdallah fuhr mit einem lauten Schrei zurück, denn in der Nebelgestalt wankte es hin und her wie Omars Gesicht. —

Es ist kein Gott und keine Tugend! rief er noch einmal. Genuß ist die Tugend des Menschen, er selbst sein Gott, die Kette des Schicksals ist zertrümmert, ein blindes Ohngefähr streckt durch die Welten die eherne Hand aus, — alles ist Staub und Würmer, die Verächtlichkeit thront in der Schöpfung!

Vatermörder! schrie Omar's Stimme aus der Gestalt heraus, dein Vater wirft sich deinem Glück entgegen, — Vatermörder! Stoß ihn nieder und sei mir gegrüßt! —

Das wankende Bild streckte die bleiche Hand gegen Abdallah aus, der mit zitterndem Knie aus dem Zimmer entfloh. Ein kalter Schauder goß sich über seinen Körper aus, sein Herz schlug laut, ein eisiger Schweiß benetzte seine Stirn.

Er sammelte seine Kräfte und ging dann langsam weiter. Viele Gemächer und Säle öffnete er und ging hindurch, alle standen leer in wüster Dunkelheit, von einem heimlichen Grauen durchsäuselt. — Er kam an eine Thür, durch deren Spalten sich kleine Lichtstreifen drängten. — O es ist fürchterlich, sagte er leise, eine unbekannte Pforte zu öffnen und zu wissen, daß mir Schrecken entgegenspringen.

Er öffnete die Thür furchtsam und fuhr mit einem krampfhaften Schauder wieder zurück. — In einem großen hellerleuchteten Saal wütheten stumm und ohne begleitenden Gesang tausend Ungeheuer in Weibergestalten tanzend auf und ab. — Ein Riesenkopf mit verzerrten Zügen wankte auf zwergartigen Körpern schrecklich hin und her. Sie verschlangen sich in wilden Gruppen und stürmten wie Meereswogen stumm durch den Saal, sie rauschten immer schneller und ungestümer vorüber, die Flammen der Kerzen zitterten. — Vatermörder! schrie ihm eine wilde Gestalt entgegen und riß ihn in den Saal in die Mitte der schwärmenden Ungeheuer, man führte ihn taumelnd in den fürchterlichen Reigen, und eine Unholdin warf ihn der andern zu, im lauten Brausen wand man sich von neuem auf und ab, die Tänzerinnen sprangen und schwebten wild durcheinander, mit lächerlicher Entsetzlichkeit wälzten sie sich um einander her und hüpften mit fürchterlichen Geberden. — Dies ist deine Hochzeit, raunte ihm eine schreckliche Gestalt vertraulich in's Ohr und Abdallah fuhr zusammen; eine andre trat leise hinzu und flüsterte: siehe rückwärts, deine Zulma steht hinter dir. Abdallah wandte sich schnell, und ein gräßliches Wesen stand hinter ihm und fletschte ihn mit einem wahnsinnigen Grinsen an, alle ihre Züge waren fürchterlich verzerrt. — Sie reichte ihm eine lange dürre Todtenhand, und Abdallah entflohe; sie verfolgte ihn mit lautem Gebrüll, schon hielt sie sein Gewand, als Abdallah von einem Altan, auf den er sich gerettet hatte, hinuntersprang. —


Zehntes Kapitel.

Abdallah stand in einer weiten leeren Gegend, die schwache Mondstrahlen durch finstre Wolken nur mit einer einschleiernden Dämmerung erhellten. Ein schneidender Regen wehte ihn an, über das einsame Gefilde wehte traurig ein lauter Wind. Wie ein verschüttetes Grab fiel es hinter ihm zu.

Unbekannte Wesen schauerten ihm vorüber und entflohen eiligst, Gestalten gingen vorbei und schienen ihn mit mitleidigem Erstaunen zu betrachten, er war in eine Welt von Ungeheuern eingesperrt und ging mit wankenden Schritten durch ihre Einwohner, ein unbekannter Fremdling.