Ich habe in dieser Nacht eine gräßliche Bekanntschaft gemacht, sprach er, die Hölle hat sich mir aufgethan und in ihr Innres eingeführt, ein großes Siegel hat sich mir gelöst, ein böser Engel hat dir einen Brief gebracht und vorwitzig hab' ich ihn erbrochen. Ja, Omar, ich weiß nun alles, alles, deine Geheimnisse haben sich in meinen schwachen Menschenbusen gewagt, die Hölle wohnt in meinem Herzen; alle Schauder, die du pflanztest, sind mächtig emporgeschossen und ihre Frucht hat dich selbst vergiftet. — Fort! sei was du warst und dann komm zu mir zurück, bis dahin will ich dich verkennen, bis du mir ein Zeugniß bringst, das dich wieder unter die Menschen einschreibt.

Abdallah! Abdallah! rief Omar aus, deine Träume sprechen noch aus dir; nein, so kannst du nicht zu deinem Freunde Omar reden, oder hat dich Zulma in der neulichen Nacht zum Wahnsinnigen gezaubert?

Zulma! rief Abdallah aus, — dieser Klang ist der einzige in der ganzen Natur, der freundlich an die Saiten meines Herzens schlägt, diese Melodie ist mir in der großen Zertrümmerung übrig geblieben, alle meine Seligkeiten habe ich verspielt und diese einzige dafür gewonnen. — O alle meine Erinnerungen sind Lügner, oder du warst es, der mir diesen Diamant in der Finsterniß schenkte.

Omar. Ich that es, — aber mein Abdallah lohnt mich mit Undank. Oder hat mich ein Lästerer aus deinem Herzen gerissen? — Welche Hand hat jene Gemälde verlöschen können, die ich seit deiner Kindheit in deiner zarten Seele zeichnete? Ist denn von jener Liebe alles, auch die Wurzel verdorret und vermodert? Hat ein Sturmwind allen Blüthensaamen in das Meer verweht, daß auch nicht eine grüne Sprosse von neuem aus dem Boden keimt? — o dann hab' ich meine schönsten, meine letzten Jahre wie ein Knabe verschwendet, alle meine Hoffnungen und Wünsche einer Morgenröthe anvertraut, die hinter schwarzen Gewitterwolken untersinkt, — dann hab' ich keine Freude mehr, als das Grab. —

Abdallah. Du willst in meinem Herzen Fürsprecher erwecken, die ich selber nicht wiederfinden kann. — Ach, Omar, Omar, bin ich vielleicht wahnsinnig? Was sprech ich? Wer bist du und was ist diese Welt? O allenthalben renn' ich an eine Mauer wüthend an, die mich unbarmherzig zurückwirft. — Wen soll ich fragen und wo nach Wahrheit forschen? Ach, vielleicht bin ich ein Wesen, einzig und ohne Freund und Feind in einer leeren Wüste, das eingeschlafen ist und von allen diesen irdischen Possenspielen und Furchtbarkeiten träumt und beim Erwachen sich selbst verspottet.

Er dachte diesem Gedanken weiter nach und wandte sich dann von neuem zu Omar. Sei es, wie es sei, sprach er, ich will dir Rechenschaft geben, wie lange ich mit dem Vermögen ausreichte, das du mir geliehen hast, unbesonnen verschleudert hab' ich es nicht. Nein, Omar, der Kampf mit dir hat mir Arbeit gekostet, du ließest dich von meinem Mißtrauen nur schwer zu Boden ringen.

Er erzählte ihm den Inhalt der Palmblätter, die ihm Nadir in der Nacht gegeben hatte und die Erscheinungen der Unterwelt. — Siehe, schloß er seine Erzählung, dies sind die Begebenheiten dieser fürchterlichen Nacht, o alle Erscheinungen weisen mit ihren Gräßlichkeiten nach einem Mittelpunkt, meinem Elende hin; der Greis, der dir glich, der mich mit täuschender Freundschaft empfing und mit Gottesläugnungen von sich jagte, — ja nur das Grausen wird mich mit Zulma vermählen, meine Hochzeit wird sein, wie ich sie in dieser Nacht gesehen habe und auf dem Leichnam meines Vaters werde ich in die Wohnung der Verdammten steigen, ja, die Hölle hat mir einen Spiegel vorgehalten, in dem mir die Zukunft vorübergezogen ist.

Omar. Aber ermanne dich nur Abdallah und siehe, daß alle diese Gestalten nur Traumgestalten waren, die neckend um den Schlafenden gaukeln und bange vor dem ersten Blick des aufwachenden Auges zurückfliehen; denn ich kam in der Stunde der Mitternacht hierher und fand dich schlafend.

Abdallah. Du fandest mich? schlafend? hier auf diesem Bette?

Omar. Beim Propheten!