Raschid. Hinweg Freundschaft und Mitleid! die Liebe kömmt ihren Thron zu besteigen! Ich bin nicht mehr Raschid, nicht mehr dein Freund — Ja, ich will den großen Kampf mit dir eingehen, Abdallah, unsre Freundschaft sei zerrissen! Fluch um Fluch, Hölle um Hölle, alle Schrecken gegen einander, — Zulma ist mein! mein, sag' ich, — endlich hat der Himmel den Verstoßenen wieder angenommen, ich bin mit mir selber ausgesöhnt.

Abdallah. Raschid, ich ziehe allmächtig diese Waage nieder, die zu den Wolken aufgeschnellt wird, dieser Baum ist mein, in dessen Schatten du dich lagern willst, — Zulma liebt mich! —

Raschid. O sie wird, sie muß mich einst lieben, deines Vaters Elend ist eine Leiter, die mich in den Himmel trägt, ich will verwegen bis auf die letzte schwindelnde Sprosse steigen und wie ein Gott auf die armselige Welt hinabsehen.

Er wollte gehen und Abdallah hielt ihn mächtig zurück. — Wohin willst du? rief er aus, Schrecklicher!

Zu Ali, antwortete Raschid, dein Vater ist ein Unterpfand, das mir nicht entrinnen wird, ich bin nicht vergebens deinen Schritten nachgeschlichen; o ich muß eilen, denn ich fühl' es im Innern meiner Seele, für Zulma würd' ich freudig meinen Vater und meine Mutter der Schlachtbank überliefern.

Sie rangen hartnäckig mit einander. — O noch, noch verweile, rief Abdallah, nur diesen einzigen Tag noch, nur diese Stunde schenke mir noch mitleidig!

Um in dieser um meine Seligkeit betrogen zu werden? antwortete Raschid. — Nein! zurück von mir! — Er riß sich gewaltsam los und entflohe mit der Eil des Windes, auch keinen flüchtigen Blick warf er seinem Freunde rückwärts. —

Abdallah sahe ihm betäubt und schwindelnd nach. — Ha! nun ist es ja entschieden, sagte er mit unterdrücktem Lächeln, meine Martern habe ich umsonst geduldet, Zulma ist mir ewig, ewig verloren. — Ha! wie es in meinem Innern tobt und wüthet! — Kalt steh' ich da und sehe, wie auch meine letzte Freude von einem fremden Vorübergehenden lachend gemordet wird. — Er verhöhnt Freundschaft und Liebe und fliegt nach seinem glänzenden Ziel, — nur ich zögernder Thor schlage mich mit tausend Zweifeln und verliere den großen Augenblick. — Zulma nicht mein, Raschids? — O das, das kann, das soll nicht sein! So weit dürfte dieser Fremde sich in mein Paradies hineinwagen? — Was hält mich denn zurück? — Wollte er nicht seinen Vater dieser Wonne ohne Bedenken opfern? — O er ist ja auch ein Mensch, — er liebt ja Gott und betet das Schicksal und die Tugend an und dennoch, — mir ist alles genommen und doch zögert meine Trägheit noch? Wie mit hundert Stricken wird mein Arm zum tödtlichen Streich herabgerissen und ich kämpfe noch gegen diesen Schlag, — und muß Selim nicht dennoch sterben? — Er muß — und ich und Zulma sind unglücklich, — ja, ja, es muß sein, — ich höre die Stimmen umher brüllen, die mich zur That anmahnen. —

Er drängte sich in wüthender Eil durch die Gebüsche und sahe auf der Landstraße Raschid schon weit voraus, der der Stadt zueilte. Geängstigt rennt er ihm nach und stürzt wie beflügelt hinter ihm her, seine Augen sahen den Weg nicht, sein Athem röchelte laut, oft biß er knirschend die Zähne zusammen. — Endlich erreichte er ihn matt und ohne Bewußtsein. — Halt! rief er laut, — halt an mit deiner Beute, Betrüger!

Raschid sahe rückwärts und erblickte Abdallah, er wollte ihm von neuem entfliehen, aber gewaltig ergriff ihn Abdallahs Arm und hielt ihn zurück. — Nein, du sollst mir nicht entrinnen, schrie er wüthend, schwöre hier durch einen gräßlichen Eid dich von Zulma los, — oder beim Propheten! ich vergesse unsre Freundschaft, so wie du sie vergessen hast.