Abdallah. Ja ich weiß was Elend ist, Unglück ist mir nicht fremd. — Aber was kannst du bei mir wollen? Suchst du Quaalen und Verzweiflung? — o die kann ich dir geben, — sieh! dies sind meine Schätze!

Sie gingen mit einander, in Abdallah's Busen lag es zentnerschwer, er wollte zu reden anfangen und schwieg dann wieder furchtsam. Endlich umarmte er den Freund noch einmal glühend: Raschid! Raschid! rief er, du bist ein Mensch, nicht wahr, es schlägt ein fühlendes Herz in dieser Brust? deine Seele ist für Mitleid nicht taub, — o sprich! nur ein Wort der tröstenden Linderung! —

Raschid. Du schweigst? vertraue deinem Freunde den Sturm, der in deiner Seele wüthet. — Was kann dich so mit Riesenkräften niederdrücken?

Abdallah schwieg noch immer, — ich liebe Zulma! rief er dann plötzlich. — Ach, ich muß dies fürchterliche Geheimniß in einen Menschenbusen ausschütten, o tröste mich, — verzeihst du mir, nennst du mich Bruder, wenn — hast du je die Allmacht der Liebe gefühlt?

Zulma? rief Raschid und stürzte bleich zurück, Zulma? O Unglücklicher!

Abdallah. Nur ein Wort aus deinem Munde! Darf ich sie wünschen? — macht mich meine Liebe zum Ungeheuer? — warum starrst du mich so an? Willst du mir keinen Trost geben?

Raschid. Trost? — Dieses Entsetzen hat mich zu dir gejagt, ich kam zu dir, um zu deinen Füßen mir mein Glück zu erbetteln, — du liebst Zulma, — o Unglücklicher, so wisse, so erfahre es denn und schaudre bis in das Innerste deiner Seele, — auch Raschid liebt diese Tochter der Sonne! aus dieser Quelle sind alle meine Martern geflossen, dies hat mich seit Jahren gepeinigt und an der Wurzel meines Lebens genagt.

Abdallah. Du liebst sie? du? — O Raschid, hinweg! du bist nicht mehr mein Freund! — ich verlange einen Ton der mich tröstet, ich schlage verzweifelnd an die Laute, — aber alle ihre Saiten sind zerrissen, kein Wiederhall in der ganzen Schöpfung!

Raschid. Darum bin ich hier, Selim sollte mich glücklich machen, du solltest mir ihn abtreten.

Abdallah. Nein! nein! — O beim Unendlichen, alles thürmt sich immer höher und höher, alle Schrecken wachsen zu Riesen auf und werfen sich mir entgegen. — Nein, nein, Raschid, du darfst nicht, Selim ist mein und Zulma mein, deine Hand darf es nicht wagen, in mein Glück zu greifen.