Ali. Nein, er muß sterben, heut sterben. — Wer bist du mir? Und für dich sollt' ich diese Freude verloren geben? —

Abdallah. Sterben? und unter Martern sterben? — Nichts kann diesen fürchterlichen Ausspruch vernichten? — Unter Martern, die bis in die fernsten Pulse der menschlichen Natur zucken? — Nun so häufe Quaal auf Quaal, sinne mit Henkersscharfsinn auf Schmerzen, trinke sein Blut und laß dir seine Gebeine vorsetzen, fülle das Maaß meiner Verdammniß bis oben an, daß auch keine Faser von mir der Hölle entrinne. — Nun es Flüche gilt, o so stürme die Unendlichkeit mit Millionen Flüchen auf mich ein, — nun bin ich einmal tief hinein in Raserei verirrt, nun mag kommen was da will. — Siehe, Gräßlicher, nun zittre ich nicht mehr, nun scheu' ich nicht mehr den Blick deiner Augen, so verworfen ich bin, so fühl' ich doch noch, daß ich ihm verzeihen würde. — Ich unternahm das fürchterliche Spiel, um mein Glück, um Zulma zu gewinnen, — du aber stehst von deiner Felsenkälte gepanzert da — und freust dich bloß der Todesquaalen. Du gewinnst durch seine Schmerzen nichts und ich verliere alles. — O nun dränge sich Verderben auf Verderben, nun die Würfel einmal gefallen sind, nun stürze der Himmel und die Erde zusammen und begrabe alles in eine Hölle und ich will dazu lachen. Sieh, du hast meine Geduld verspottet und mich zur fürchterlichen Gränze des Wahnsinns gerissen und nun trotz' ich dir und Gott. Was kann ich noch fürchten, da ich selbst mein größtes Entsetzen bin? — Ich könnte frech den Ewigen zum Zweikampf fordern und fluchend niedersinken. —

Er stürzte zu Boden, brüllte laut und schlug heftig mit den Fäusten seine Brust, der Vezier trat hinzu und wollte ihn hinwegreissen, aber Ali hielt ihn zurück. —

Laß ihn, Mehmed, sagte er mit bitterm Lächeln, mich ergötzt die Ohnmacht dieses Wurms. Er möchte sich selber entfliehen und unzerbrechlich ist sein Bewußtsein an sein Verbrechen geschmiedet. — Sieh, dies ist der Mensch, der Wiederschein des Ewigen. — Sieh, wie er in der Wuth sich wälzt und wie ein Rasender brüllt, — würdest du ihn dir als einen Edelstein unter verächtlichen Gewürmen hervorlesen? Laß ihn liegen, — o beklage mich, daß ich zum Menschen ward, ich schäme mich meiner selbst!

Abdallah's Bewußtsein kam zurück. — Derselbe Leichnamsblick kömmt mir wieder entgegen? sprach er matt und leise. — Sieht so ein Mensch aus? — O dann will ich zu den Teufeln flehen und ich werde sie mitleidiger finden, als dich.

Ali. Ich bedaure dich. —

Abdallah. Es ist nicht möglich, — dann würde dein Auge eine andre Sprache reden. Ali. Es thut mir weh, ein Wesen zu sein, das mit dir einen Rang in der Schöpfung hat, ich bemitleide mich selbst und darum bedaure ich dich. Weil ich euch verachte, will ich deinem Vater die Quaalen erlassen, mir ekelt, das Auge auf die Menschheit zu werfen, auch ihre Schmerzen können mich nicht vergnügen. Stehe auf, ich erlasse sie ihm.

Abdallah stand langsam auf, er ging betäubt zurück und stand ohne Bewußtsein und Gedanken an die marmorne Mauer gelehnt, Ali sahe starr vor sich nieder.

Es erhob sich ein Geräusch im Hofe des Pallastes, der Vezier eilte an's Fenster.

Was ist dort? fragte Ali. —