Ali. Hüte dich, daß ich dich nicht schaamroth mache und du als ein Lügner vor mir stehst.
Selim. Ich wiederhole es, nun mag kommen, was da will, ich will ihm mit festem Auge in's Angesicht sehen. —
Ali. Du stirbst gern? —
Selim. Ja.
Ali. Du liebst, du achtest die Menschheit?
Selim. Würd' ich dich sonst je haben hassen können? — Ja, könntest du mir diesen Glauben an die Menschheit nehmen, dann würd' ich dich für meinen Sieger anerkennen, dann, nicht eher, würd' ich mein Leben bereuen, dann, dann hätt' ich umsonst gelebt, dann wäre mein Stolz eine verächtliche Traumgestalt, die Arbeit meines Lebens ein nichtiges Kinderspiel gewesen, ich würde die Stunden zurückwünschen, in denen ich Menschenglück aufbaute und an dem Reichthum meiner Seele sammelte, dann würd' ich wünschen, Ali gewesen zu sein.
Ali. Und wenn ich dich nun dahin bringen könnte?
Selim sahe ihn mit einem furchtsamen Blick an, — dann, sagte er schüchtern, dann würd' ich vor dir zittern. — Aber nein, unmöglich, diesen Glauben kannst du mir nicht nehmen, du bist kein Mensch, was willst du von ihrem Adel wissen? —
Ali lächelte ihn höhnisch an. — Bist du nicht neugierig, den kennen zu lernen, der mir deinen Aufenthalt verrieth? fragte er mit funkelnden Blicken.
Nein, antwortete Selim, ich habe ihm verziehen, sei es, wer es wolle.