Ali und sein Gefolge kamen zurück. — Auch keinen Schrei konnte ihm der Tod auspressen, sagte Ali mürrisch, sein Tod war so halsstarrig wie sein Leben, er ging in die Vernichtung wie ein andrer sich zum Schlafen auf sein Lager wirft; der Schmerz wühlte in allen seinen Zügen und trieb seine Glieder fürchterlich geschwollen auf, aber er sahe dem gräßlichen Anblick wie einem Spiele zu. — Auch kein Seufzer ist ihm entschlüpft.
Ali winkte und einige Sklaven traten hervor, die den betäubten Abdallah in ein Bad führten. In Träumen verloren that er ohne Besinnung alles, was man von ihm verlangte. Man salbte ihn dann mit köstlichem Balsam und schmückte ihn mit reichen Kleidern, er bemerkte kaum diese Veränderungen. — Mit Gold und Purpur geschmückt ward er in den Saal zu Ali zurückgeführt.
Alle Großen des Reichs waren hier versammelt, der Saal schimmerte von Edelsteinen, himmelblaue Polster mit Gold geschmückt lagen an den Seiten des Saales. Jedermann begrüßte Abdallah ehrerbietig, alles neigte sich tief, er zwang sich heiter umherzusehen und jeden Gruß mit Freundlichkeit zu erwiedern.
Prächtig gekleidet trat Zulma itzt herein; Abdallah hatte sie noch nie so schön gesehn, er fuhr unwillkührlich auf und eilte ihr entgegen: mit ihr trat ein Priester herein. —
Ali nahm die Hand Zulma's und legte sie in die Hand Abdallah's. — Ich gebe sie dir, sprach er, so wie ich sie dir verheißen habe; deine Treue gegen deinen Fürsten hat dir diesen Lohn erworben, werde nie untreu, und meine Gnade und die Gunst des Himmels wird ewig auf dich herunterblicken.
Der Priester sprach den Segen über beide aus, die Gäste warfen sich nieder und wünschten ihnen Glück. — Abdallah sahe immer starr vor sich nieder, nur zuweilen drückte er heftig und stumm Zulma's Hand, sie sahe oft besorgt nach ihm hin, aber er bemerkte ihre Blicke nicht und brütete wieder in seinem dumpfen Nachsinnen weiter.
Die Feierlichkeit war geendigt, Ali und die Gäste entfernten sich, um im Garten die frische Kühle der Abendluft einzuathmen, Abdallah und Zulma standen allein im Saale. —
O so ist denn endlich, begann Zulma, der große, der fürchterlich schöne, der langerwünschte Augenblick herangekommen, an dem ich von jeher zweifelte? — So sind denn nun alle meine Wünsche erfüllt? — O wie zagt' ich gestern, und flohe erschrocken zurück, als ich dich vor dem Pallast stehen sahe, ich wußte wie sehr mein Vater dem deinigen zürnt, — aber nun ist ja alles vorüber, — ich sinne vergebens, wie du durch die Unmöglichkeiten hindurchgedrungen bist und dich zu mir gekämpft hast, — aber sei's, auf welche Art es wolle, ich halte dich in meinen Armen und bin glücklich, und was will ich denn noch mehr als dieses Glück? Daß ich glücklich bin, daran weiß ich genug, alles übrige ist mir heute gleichgültig und ohne Werth. — Aber warum bist du so stumm, Abdallah? Meine Freude schwatzt und die deinige schweigt in ein stilles Nachsinnen verloren?
Abdallah sahe auf. — Fühlst du dich glücklich in meinen Armen? fragte er leise.
Zulma. So glücklich wie im Paradiese.