Wer noch nie über das Tiefe und Innige des Geschmacks, über seine chemischen Zersetzungen und universellen Urtheile nachgedacht hat, versetzte Ernst, der dürfte nur einiges über diesen Gegenstand in den Schriften mancher Mystiker lesen, um zu erstaunen, und die Verächter dieses Sinnes zu verachten.

Er dürfte auch nur hungern, sagte Wilibald, und dann essen.

Lieber noch dursten, sagte Anton, und dann trinken, indem er selber bedächtig trank.

Am kürzesten ist es gewiß, antwortete Friedrich, indeß wie selten werden wir darauf geführt, das zu beobachten, und uns über dasjenige zu unterrichten, was wir in uns Instinkt nennen, und doch ist der Philosoph nur ein unvollkommener, der in diese Gegend seinen spähenden Geist noch niemals ausgesendet hat.

So ist es freilich mit allen Sinnen, fuhr Ernst fort, auch mit denen, die schon dem Gedanken verwandter scheinen, wie das Ohr und das noch hellere Auge. Wie wundersam, sich nur in eine Farbe als bloße Farbe recht zu vertiefen? Wie kommt es denn, daß das helle ferne Blau des Himmels unsre Sehnsucht erweckt, und des Abends Purpurroth uns rührt, ein helles goldenes Gelb uns trösten und beruhigen kann, und woher nur dieses unermüdete Entzücken am frischen Grün, an dem sich der Durst des Auges nie satt trinken mag?

Auf heiliger Stätte stehen wir hier, sagte Friedrich, hier will der Traum in uns in noch süßeren, noch geheimnißvolleren Traum zerfließen, um keine Erklärung, wohl aber ein Verständniß, ein Sein im Befreundeten selbst hinein zu wachsen und zu erbilden: hier findet der Seher die göttlichen ewigen Kräfte ihm begegnend, und der Unheilige läßt sich an der nämlichen Schwelle zum Götzendienste verlocken.

Die Kunst, sagte Manfred, hat diese Geheimnisse wohl unter ihren vielfarbigen Mantel genommen, um sie den Menschen sittsam und in fliehenden Augenblicken zu zeigen, dann hat sie sie über sich selbst vergessen, und phantasirt seitdem so oft in allen Tönen und Erinnerungen, um diese alten Töne und Erinnerungen wieder zu finden. Daher die wilde Verzweiflung in der Lust mancher bacchantischen Dichter; es reißen sich wohl Laute in schmerzhafter üppiger Freude, in der Angst keine Scheu mehr achtend, aus dem Innersten hervor, und verrathen, was der heiligere Wahnsinn verschweigt. So wollten wild schwärmende Corybanten und Priesterinnen ein Unbekanntes in Raserei entdecken, und alle Lust die über die Gränze schweift nippt von dem Kelch der Ambrosia, um Angst und Wuth mit der Freude laut tobend zu verwirren. Auch der Dichter wird noch einmal erscheinen, der dem Grausen und der wilden Sehnsucht mehr die Zunge lößt.

Schon glaub’ ich die Mänade zu hören, sagte Ernst, nur Paukenton und Cymbelnklang fehlt, um dreister die Worte tanzen zu lassen, und die Gedanken in wilderer Geberde.

Sein wir auch im Phantasiren mäßig, und auch im Aberwitz noch ein wenig witzig, bemerkte Wilibald.

Ja wohl, fügte Auguste hinzu, sonst könnte man vor dergleichen Reden eben so angst, wie vor Gespenstergeschichten werden; das beste ist, daß keiner sich leicht dergleichen wahrhaft zu Gemüth zieht, sonst möchten sich vielleicht wunderliche Erscheinungen aufthun.