Ich sage ja nur, antwortete Lothar, daß uns dunkel dergleichen Vorstellung eines Drama vorschwebt, wie bei allen Dingen, in die wir uns bestreben, Sinn und Zusammenhang hinein zu bringen.

Da man sich schon dem Nachtische näherte, so ließ Manfred heißern Wein geben und ermunterte seine Freunde zum Trinken. Du wolltest, dünkt mich, noch über die Tischgespräche etwas sagen, so wandte er sich nach einiger Zeit an Lothar.

Ich wollte noch bemerken, antwortete dieser, daß nicht jedes Gespräch, auch wenn es an sich gut ist, an die Tafel paßt, oder wenigstens nicht in jede Gesellschaft. Beim stillen häuslichen Mahl darf unter wenigen Freunden oder in der Familie mehr Ernst, selbst Unterricht und Gründlichkeit herrschen, je mehr es sich aber dem Feste nähert, um so mehr müssen Geist und Frohsinn an die Stelle treten.

Frage nun, sagte Wilibald, ob wir auch die gehörigen Diskurse führen? Bist du, dramatischer Lothar, in deinem Gewissen ganz beruhigt?

Auch hiebei, erwiederte dieser, ist das gute Bestreben alles, was wir geben können, auch hier muß jenes Glück unsichtbar hinzutreten und die letzte Hand anlegen, um ein erfreuliches wahres Kunstwerk hervor zu bringen.

Während dieser Gespräche, sagte Manfred, ist mir eingefallen, daß ich wohl unsre Schriftsteller und Dichter nach meinem Geschmack mit den verschiedenartigen Gerichten vergleichen könnte.

Zum Beispiel? fragte Auguste; das wäre eine Geschmackslehre, die mir sehr willkommen sein würde, und wonach ich mir alles am besten merken und eintheilen könnte.

Ein andermal, sagte Manfred, wenn du für dergleichen ernsthafte Dinge mehr gestimmt bist; jezt würdest du es wohl nur sehr frivol aufnehmen, und ich bin doch überzeugt, daß diese Vergleichungen sich eben auch so gründlich durchführen lassen, wie alle übrigen.

Es war eine Zeit, sagte Emilie, in der es die Schriftsteller, die über die Poesie schrieben, niedrig und gemein finden wollten, das Geschmack zu nennen, was in Werken der Künste das Gute von dem Schlechten sondert.

Das war eben in jener geschmacklosen Zeit, sagte Theodor.