Dramatische Gedichte.
[Ein Prolog.]
[Der Autor. Ein Fastnachtsspiel.]
Fragmente.
[Magelone. Prolog.]
[Aus dem alten Heldengedicht vom König Rother.]
[Der erste Akt des Donauweibes.]
Die Geschichte
von den
Heymons Kindern,
in zwanzig altfränkischen Bildern.
1796.
Kurze Vorerinnerung.
Lieber Leser,
Ich weiß nicht, ob Dein Gemüth zuweilen so gestimmt ist, daß Du Dich gern und willig in die Zeit Deiner Kindheit zurück versetzest, Dich aller damaligen Eindrücke erinnerst, und ohne Bedauern vergissest, was Du seitdem gelernt und erfahren hast. Es gewährt einen eignen sonderbaren Genuß, Dein Jahrhundert und die Gegenstände um Dich her aus dem Gedächtnisse zu verlieren. Du bist vielleicht irgend einmal krank gewesen, geliebter Leser, oder hast Dich einige Stunden hindurch in einer unvermutheten Einsamkeit befunden; von allen Zerstreuungen verlassen, kann man dann zuweilen an alten wunderlichen Zeichnungen oder Holzstichen ein Vergnügen finden und sich in ihnen verlieren; man betrachtet dann wohl aufmerksam ein unzusammenhängendes und fast unverständiges Bild, wo vorn eine Rathsversammlung im königlichen Pallaste sitzt und man hinten das Meer mit Schiffen und Wolken, ohne alle perspektivische Kunst, wahrnimmt. Möchtest Du doch, o mein Lieber, ein solches und kein andres Vergnügen in gegenwärtigen altfränkischen Bildern erwarten, die wir Dir jetzt vor die Augen führen wollen. — Lebe wohl! —
Erstes Bild.
Die Pracht des Königs Carl.
Um Pfingsten hielt König Carl, dem man den Zunamen des Großen beigelegt hat, gewöhnlich in Paris ein großes Fest. Allda erschienen alle Herren, Baronen und Fürsten, und goldne und silberne Geschirre standen auf den Tafeln, und eine schöne Musik klang durch die Gemächer. Es war bei diesem Feste alles versammelt, was man nur prächtiges sehn mochte.
Der König saß in allem seinem Schmuck, mit seiner glänzenden Krone am Tische, um ihn her seine Freunde, die Ritterschaft und die Damen, junge Edelleute warteten auf, damit es nirgends, weder an Speise noch an Trank, fehlen möchte.
Bei diesem Feste war auch Heymon, Graf von Dordone, gegenwärtig, ein angesehener und tapferer Rittersmann, der in allem Kriegswesen überaus erfahren war, so daß auch jedermann Achtung vor ihm hatte. Mit ihm war zugleich da sein Schwestersohn Hugo, ein Jüngling von schönem Angesicht und langen goldgelben Haaren. Dieser näherte sich mit freundlichem und ehrerbietigen Anstande dem Könige, und sagte ihm, daß der Graf Heymon auch gegenwärtig sei; er erinnerte ihn, daß der Graf der einzige wäre, der keine Wohltat von Seiner Majestät genossen hätte, er möchte ihn wenigstens mit den Gütern wieder belehnen, die dem Grafen gehörten, und die er ihm aus Ungnade entzogen hätte.