Sie sind im Kämpfen einger als im Frieden. —

Dergleichen Lieder wurden noch mehr gesungen. Melusina lag indessen beim Reymund und sagte zu ihm mit lieblicher Stimme: ich bin nun ganz die deinige, mein herzliebster Gemal und Freund, und muß mich in allen Dingen deinem Willen fügen, nur mußt du deinen Schwur, den du mir gethan, niemals brechen, sonst kommst du von Glück in Unglück, von Ehre in Elend. Reymund bestätigte ihr seine Treue noch einmal, worauf sie in dieser Nacht von ihm mit einem Sohne schwanger wurde, den sie nachher Uriens nannten.

Diese Hochzeit währte mit allen ihren Festlichkeiten zwei Wochen hindurch, nach welcher Zeit Melusina aus einem helfenbeinernen Schranke eine Menge kostbarer Kleinodien nahm und jedem der anwesenden Gäste ein herrliches Stück verehrte, vorzüglich aber dem Grafen und seiner Frau Mutter, auch die Dienerschaft wurde mit Geschenken bedacht, worauf sich denn alle Gäste wieder unter vielen Danksagungen entfernten. Auch der Graf Bertram und die Seinigen nahmen freundlichen Abschied, welche Reymund mit vielen von seinen Leuten zu Pferde begleitete. Der Graf hätte den Reymund gern nach dem Stande der Melusina gefragt, aber er furchte sich vor ihm, von wegen seiner neulichen Antwort; Reymund dankte ihnen nochmals für die erwiesene Ehre, beurlaubte sich mit aller Höflichkeit und ritt zurück.

Zweite Abtheilung.

Reymund kam zurück zur Melusina, küßte sie freundlich und sagte: Allerliebste Gemalin, womit sollen wir uns nunmehr die Zeit vertreiben? Melusina antwortete: ich hoffe, Gott wird uns mit allem dem versehn, was wir nur bedürfen.

Nach einigen Tagen fing Melusina einen großen und prächtigen Bau an, über welchen sich die ganze Nachbarschaft verwunderte, denn noch niemals hatte man ein so mächtiges Kastell und in so geringer Zeit aus seinem Fundamente heraufsteigen sehen. Sie bezahlte die Arbeiter reichlich und auch gleich baar, wodurch sie alle die Lust zum Baue behielten. In weniger als einem Jahre stand ein großes und festes Schloß mit seinen Zinnen, Wällen, Zugbrück und sehr tiefen Gräben da, welches nach seiner Festigkeit fast für unüberwindlich gehalten wurde, und welches sie Lusinia nannte, wodurch sie gleichsam auf ihren eignen Namen anspielend deutete.

Nach neun Monaten gebar Melusina einen Sohn, der Uriens genannt wurde, und der sonst wohlgestaltet war, nur befand sich sein Angesicht seltsam eingerichtet, denn dieses war kurz und breit, mit einem rothen und einem grünen Auge, einem sehr weiten Mund, und hatte darneben noch große herabhangende Ohren: sonsten war seine übrige Gestalt adelich und fein und er wuchs nachher zu einem schönen und tapfern Ritter auf.

Im folgenden Jahre gebar Melusina wieder einen Sohn, der Gedes getauft wurde; dieser hatte eine solche Röthe in seinem Antlitze, daß sie ordentlich einen Widerschein gab, sonst war er übrigens von edler Bildung. Hierauf wurde von der Melusina ein anderes Schloß, Favent, gebaut, hernach legte sie der Mutter Gottes zu Ehren ein Kloster aus Andacht an, welches sie Malliers nannte; zuletzt aber baute sie eine ganze Stadt, Portenach.

Darauf gebar sie wieder einen Sohn, der war zwar schön, doch stand ihm das eine Auge höher als das andre, und wurde Gyot genannt. Worauf sie wieder ein Schloß bauen ließ, mit einer sehr schönen und kunstreichen Brücke über den Strom allda. Dann brachte sie wieder einen Sohn zur Welt, der Antoni geheißen wurde und der eine Löwenklaue auf dem Backen mit auf die Welt brachte, auch war er sehr wild und ganz rauch von Haaren, und als er größer wurde, mußte sich jedermann vor ihm fürchten, welcher ihn sah.

Dann gebar sie wieder einen Sohn, den Reinhardt, der nur ein Auge mitten auf der Stirne hatte, damit aber so viel sah, wie andre mit zweien und nachher sehr brav und tapfer wurde. Nicht lange gebar sie wieder einen andern Sohn, den Geoffroy; dieser kam mit einem großen Zahn zur Welt, der ihm fast wie ein Eberzahn aus dem Munde heraus stand, dieser wurde nachher ein sehr tapfrer Ritter, hatte aber einen mehr wunderlichen Sinn, als alle seine Brüder zusammen genommen. Reymund sagte bei dieser Gelegenheit zu seiner liebsten Gemalin: werthe Frau, was bringst du mir doch für seltsame Kinder zur Welt? soll denn kein einziger ohne einen Makel erfunden werden? Sonderlich betrübt mich dieser Geoffroy mit dem Zahn, denn er erinnert mich an mein ehemaliges Unglück mit meinem Herrn Vetter und an das Schwein; ich fürchte immer, daß uns durch diesen Sohn irgend ein Leid zustoßen wird. Melusina antwortete: wir wollen ihn in der Furcht des Herrn erziehn und er wird ein wackrer Ritter werden.