Dritte Abtheilung.
Als Geoffroy abreisen wollte, kam ein Bote zu ihm mit einem Brief von seinen Eltern, worin sie ihm meldeten, daß sie gesund wären, auch Nachrichten von ihren Söhnen hätten, die sehr erfreulich, dabei sei ihr Sohn Freymund im Kloster Malliers, nahe bei ihnen, ein Mönch geworden, um Gott für alle zu bitten. Wie Geoffroy las, daß sein Bruder Freymund ein Mönch geworden sei, ward er so zornig und wüthend, daß er nicht anders, wie ein wilder Eber schäumte, und alle die zugegen waren, vor Furcht schwiegen und nicht wußten, was sie sagen sollten. Er rief aus: die schelmischen und nichtswürdigen Mönche haben meinen Bruder bezaubert und betrogen, daß er nicht, wie wir alle gethan haben, die Ritterschaft ergreifen will; muß ich mich mit Riesen herumschlagen, und soll er indessen ein Mönch werden? Nun warlich, es soll ihnen und dem Abte übel gerathen, denn ich will sie alle zusammen verderben und verbrennen!
Ueber diese Rede entsetzten sich alle; den Boten aus dem Lande Norhemen aber befahl er seiner an dieser Stelle zu warten, denn er werde bald wieder kommen. So ritt er im Grimme fort und kam bald auf seinem Wege nach dem Kloster Malliers. Wie der Abt und die Mönche ihn kommen sahn, gingen sie ihm höflich entgegen, um ihn zu begrüßen und ihm Willkommen zu sagen, aber Geoffroy fuhr sie gleich zornwüthig an und schnaubte ihnen entgegen: Ihr bösen Mönche, warum habt Ihr meinen Bruder also verführt, daß er ein Mönch geworden und die Ritterschaft verläugnet hat? Daran habt Ihr übel gethan und ich will Euch bestrafen, denn Ihr sollt alle Euer Leben hergeben.
Ueber diese Rede erschraken der Abt und die Mönche; der Abt erwiederte: wir haben mit nichten Euren Bruder verführt, er ist aus freiem Willen und aus Andacht in unser Kloster gekommen, hier steht er gegenwärtig und Ihr könnt ihn selbst darum fragen.
Freymund sagte hierauf: lieber Bruder, ich schwöre Dir, daß mich Niemand überredet hat, sondern daß ich hierin bloß meinem eigenen Triebe gefolgt bin, so ist es meine eigne Schuld, daß ich bin ein Mönch geworden, denn ich tauge nicht zum Ritter, ich habe in mir ein Verlangen zum gottseligen Leben gespürt, so habe ich denn nichts bessers gewußt, als mich hieher zu begeben, wo ich für alle und auch für Dich beten will.
Geoffroy aber blieb in seinem Zorn und kein Zureden und Bitten vermochte etwas über ihn; er stieg von seinem Pferde ab, besetzte das Kloster mit seinen Leuten, ließ einen großen Haufen Heu, Stroh und Holz auf einen Platz bringen, zündete dieses gegen den Wind an, und verbrannte so seinen leiblichen Bruder nebst hundert Mönchen, die alle in die Kirche geflohen waren.
Als die That vollbracht war, sah Geoffroy ein, daß er Unrecht gethan hatte; er bereute sie heftig, weil er glaubte, sich an Gott versündigt zu haben, schalt und fluchte auf sich selber, und verwünschte sich in den Abgrund der Erden hinein, daß er niemals mehr das Tageslicht erblicken möchte, doch war es nun zu spät mit seiner Reue und seinem Wehklagen. Setzte sich deshalb wieder zu Pferde, und ritt nach der Stelle in größter Eile zurück, wo er den Boten aus dem Lande Norhemen gelassen hatte, fuhr mit ihm in einem Schiffe ab, der Wind war günstig und so ging die Fahrt nach dem Lande Norhemen glücklich von Statten.
Reymund und Melusina saßen bei Tische und nahmen eine fröhliche Mahlzeit in schöner Häuslichkeit und Freundlichkeit zu sich, als ein Bote mit verwirrten Mienen und thränenden Augen zu ihnen hereintrat, und ihnen sagte, er habe eine erschreckliche Neuigkeit zu sagen, wolle sie aber nicht gerne vorbringen. Reymund sagte: er solle sie sagen, denn er habe sich nun schon in Gottes Namen auf etwas Betrübtes gefaßt gemacht; so sprach auch Melusina, denn sie wußten noch nicht, was vorgefallen war. Drauf sagte der Bote: so muß ich Euch nur Meldung thun, daß eins von Euren Kindern nicht mehr am Leben. So segne ihn der Herr, antwortete Reymund, doch welcher von meinen Kindern ist es? Der Bote sagte: es ist Freymund. Reymund war sehr betrübt, doch sprach er weiter: Gott hat ihn zu sich genommen; doch ist er selig gestorben, sind ihm alle christlichen Rechte widerfahren? Der Bote antwortete: Nein, er konnte kein christliches Recht bekommen, denn er ist mit allen andern Mönchen im Kloster zu Malliers verbrannt worden.
Darüber entsetzte sich Reymund und rief aus: Bote, nimm Dich in Acht, daß Du keine Lügen vorbringst, denn dergleichen sollte Dir übel gelohnt werden; wer hat sich unterstehn dürfen, ihn und das Kloster zu verbrennen?
Der Bote sagte demüthig: gnädiger Herr, es sei ferne von mir, daß ich mit Lügen umgehn sollte, dergleichen habe ich in meinem ganzen Leben nicht gethan, und werde nun nicht mit Euch den Anfang machen. Nein, Geoffroy mit dem Zahn hat in seiner Bosheit das Kloster sammt allen Mönchen verbrannt, dazu seinen leiblichen Bruder, weil er erzürnt gewesen, daß er ein Mönch geworden und geglaubt, der Abt und die Mönche hätten ihn mit List dazu überredet. Hierauf erzählte er den ganzen Vorgang, was Geoffroy gesprochen und was ihm der Abt erwiedert, und wie der Geoffroy sich nicht daran gekehrt, sondern in seinem Zorn das ganze Kloster sammt allen Mönchen verbrannt habe.