Doch blieb die Lieb’ im Herzen doch zumal,

Zu ihm gerichtet Sehnsucht und Verlangen,

Drum gab ich auch die Kinder in die Quaal,

Weil sie ihn schmerzlich hielten eingefangen:

An Eltern darf kein Kind die Hände legen,

Es folgt der Fluch, wer also sich verwegen.

Als Geoffroy diese außerordentlichen Dinge auf der Tafel gelesen hatte, konnte er sich nicht genug darüber verwundern, denn er sah ganz deutlich, daß die Melusina, von welcher in der Schrift gesprochen wurde, seine leibliche Mutter, mithin der König Helmas sein Großvater, und Persina seine Großmutter gewesen sei. Doch ging er wieder aus der Kammer heraus und suchte den Riesen allenthalben; er kam an einen großen Thurm, wo er hineinging, und unten ein Gefängniß gewahr wurde, wo mancher redliche Mann gefangen lag, und sich alle Gefangenen über Geoffroy’s Ankunft sehr verwunderten. Einer darunter sagte: mein sehr werther Herr, geht ja fort von hier und verbergt Euch in einer Höhle, damit Euch der Riese nicht sieht und gewahr wird, denn wenn Euch der ungeheure Riese findet, so müßt Ihr Euer Leben verlieren und erschlagen werden.

Geoffroy fing aber hierüber an zu lachen und sagte: ich suche eben diesen Riesen, denn ich möchte mich gar gerne mit ihm schlagen. Da sagte ein andrer Gefangener: nun, Ihr werdet ihn bald sehn, denn er wird gewiß gleich kommen, und dann wird es Euch gereuen, Ihr müßt umkommen, denn er ist gar zu erschrecklich.

Indem sie noch sprachen, kam der Riese, eilte geschwind in eine Kammer und schlug die Thür sehr eilig hinter sich zu. Geoffroy sah ihn, sprang nach und trat so stark wider die Thür, daß sie in Stücke zersprang. Der Riese hatte einen Hammer bei sich, mit welchem er so heftig auf Geoffroy’s Helm schlug, daß, wenn der Helm nicht so gar gut gewesen wäre, er damit den Geoffroy erschlagen hätte. Geoffroy aber besann sich schnell, und gab ihm mit dem Schwerte einen so gewaltigen Hieb, daß der Riese sogleich zur Erde fiel. Darauf that der Riese einen so erschrecklichen Schrei, daß der ganze Thurm erbebte und er sogleich todt war. Hierauf steckte Geoffroy sein Schwert ein, ging wieder zu den Gefangenen und fragte sie: ob sie aus dem Lande Norhemen gebürtig wären. Sie sagten: Ja. Er fragte ferner: warum sie dorten gefangen säßen. Sie sagten: um Schatzung und Tribut, die wir dem Riesen schuldig sind. Geoffroy sagte: so danket Gott, daß er es mir vergönnt hat, diesen Riesen ganz und gar umzubringen. Ueber diese Nachricht wurden die Gefangenen sehr froh und lobten Gott, wobei sie Geoffroy baten, ihnen doch aus dem Gefängnisse zu helfen. Geoffroy wollt’ es von Herzen gern thun, aber keiner wußte, wo die Schlüssel lagen; endlich fand sie der tapfre Ritter, nachdem er allenthalben gesucht, schloß alsbald die Thüren auf, und ließ die Gefangenen heraus, deren mehr als zweihundert waren. Geoffroy erlaubte ihnen von den Edelgesteinen und dem Silber und Golde zu nehmen, welches im Berge sei, denn er begehre nichts davon für sich selber, wofür sie ihm noch mehr dankten.

Sie beschlossen darauf, den Riesen aus der unterirrdischen Schluft hervor an das Tageslicht zu ziehn, und ihn allen Leuten im Lande zu zeigen, welches sie auch sogleich in’s Werk richteten: die Gefangenen nahmen einen großen Karren, schroteten den ungeheuren Riesen darauf, banden ihn so, daß er aufrecht saß, gleich als wenn er lebte, und fuhren ihn so durch das ganze Land. Als das Volk im Lande den ungeheuren Riesen sah, konnten sie sich nicht genug verwundern, sie dankten alle laut Gott von Herzen, daß er sie durch Geoffroy von einem solchen ungeschlachten Bösewicht erlöst hatte. Bei diesem bedankten sich auch die Landesherren höflich für den ihnen und dem Reiche erwiesenen Dienst, auch das Volk erzeigte ihm die größte Ehre und alle baten ihn inständigst, bei ihnen als ihr König und Herr zu bleiben, welches er aber nicht annahm, sondern bald darauf von dannen zog, denn er trug ein Verlangen, seinen Vater und seine Mutter wieder zu sehn.