Er setzte sich also zu Schiffe und fuhr nach seinem Vaterlande. Als sein Vater Reymund seine Zurückkunft erfahren hatte, ritt er ihm entgegen; denn es war schon bekannt geworden, welche große Thaten er in dem Lande Norhemen ausgeübt hatte, deswegen legte Reymund seinen Kummer um seine geliebte Melusina ein wenig bei Seite. Als er mit seinem Sohn allein war, erzählte er ihm sein ganzes gehabtes Unglück unter Vergießung vieler Thränen. Als Geoffroy das hörte, erschrak er heftig und merkte, daß alles dies von seiner Missethat hergekommen sei, indem er seinen Bruder Freymund im Kloster Malliers verbrannt habe; doch sammelte er sich wieder und erzählte, welche Tafel, Schrift und Nachrichten er in dem bezauberten Berge gefunden habe, woraus Reymund merkte, von welchem hohen Geschlechte seine Gemalin Melusina abgestammt sei. Geoffroy erfuhr nun zugleich von seinem Vater, daß sein Bruder, der Graf von Forst, ihn zuerst dahin vermocht habe, die Melusina an einem Sonnabend zu belauschen und so sein theures Gelübde zu brechen, worauf Geoffroy einen hohen Eid schwur, daß der Graf von Forst dafür sterben solle. Ritt auch eilig hinweg, und Reymund blieb in größter Betrübniß zurück, daß sein Sohn Geoffroy wieder eine neue Missethat begehn wollte.
Geoffroy kam bald vor dem Schlosse des Grafen von Forst an, er stieg sogleich von seinem Pferde und ging in das Schloß hinein, ohne daß ihn einer gewahr wurde, worauf er in den Saal kam, wo sein Vetter war. So wie ihn Geoffroy sah, schrie er ihn ungestüm an und zog sein Schwert: Bösewicht, Du mußt hier Dein Leben lassen, weil ich durch Dich meine Mutter verloren habe. Der Graf war sich wohl bewußt, was er gethan hatte, erschrak also und wollte ihm entfliehen, sprang auch zum Fenster hinaus, fiel aber auf die harten Felsen und war todt. So hatte Geoffroy das Unrecht gerochen, welches jener an seiner Mutter verübt hatte. Zugleich kam dadurch die Grafschaft an seinen jüngern Bruder Reymund.
Sein Vater hörte den Tod seines Bruders, und grämte sich sehr, daß sein Sohn von neuem eine solche Missethat begangen hatte; er nahm sich vor, nicht mehr zu regieren, sondern nach Rom zu wallfahrten, seiner Sünden wegen Buße zu thun, sich alsdann von der Welt abzusondern, in ein Kloster zu gehn und dort sein bekümmertes Leben zu beschließen. Geoffroy kam zurück, und sah die große Traurigkeit seines Vaters, fiel auf seine Kniee, bekannte seine Missethaten und bat um seines Vaters Vergebung. Reymund verzieh ihm und ertheilte ihm seinen Segen, worauf er zu ihm sagte: doch, mein Sohn, mußt Du vor allen Dingen das Kloster Malliers wieder auferbauen, und mehr Mönche darein setzen und stiften, als vorher gewesen sind, sonst kann Dir Deine Schuld nicht verziehn werden. Welches Geoffroy versprach und sich Reymund darauf zu seiner Reise nach Rom rüstete; doch berief er noch vorher alle Vasallen und ließ sie seinem Sohne Geoffroy huldigen. Darauf schied Reymund auch von seinen übrigen Kindern, setzte sich zu Schiffe und fuhr nach Rom.
Geoffroy baute indessen das Kloster Malliers wieder auf und machte es schöner, als es zuvor gewesen war, stiftete auch mehr Mönche zum Gottesdienst, worüber sich alles Volk im Lande sehr verwunderte, daß er das Kloster erst verbrannt hatte und nun wieder so herrlich neu errichtete.
Reymund kam in Rom an und beichtete vor dem allerheiligsten Vater Pabst, welcher ihm eine gelinde Buße auferlegte. Dann nahm er Abschied, nachdem er dem Pabste vorher gesagt, er wolle nach unsrer lieben Frauen zu Montserrate in Arragonien gehn, und dort ein Einsiedler werden, weil daselbst ein schöner Gottesdienst sei. Er kam in Montserrate an, ließ sich Kleider eines Einsiedlers machen und diente allhier Gott in strenger Andacht und vielen Bußübungen.
Geoffroy reiste nun auch nach Rom, um seine Buße vor dem allerheiligsten Vater abzulegen, auch zugleich von ihm zu erfahren, wo sein Vater Reymund geblieben sei, welcher nicht wieder kam. Der Pabst berichtete ihm: daß sein Vater zu Montserrate, im Gebirge, ein Einsiedler geworden; dabei legte er ihm eine harte Buße auf, weil er so schwere Missethaten begangen hatte, verordnete auch: daß er im Kloster Malliers hundert und zwanzig Mönche einsetzen und stiften müsse, wenn er für seine Sünden Vergebung von Gott erlangen wolle. Geoffroy versprach alles zu thun, ließ sich die Absolution ertheilen und reiste hierauf ab, um seinen alten betrübten Vater in der Einsiedelei im fernen, seltsamen Gebirge zu Montserrate aufzusuchen.
Geoffroy reiste zu seinem Vater, um ihn zu bewegen, in die Welt zurück zu kehren, aber der alte Reymund wollte in seiner Einsiedelei bleiben, und so schied Geoffroy ungern von ihm, nachdem er einige Tage bei ihm gewesen, und seinen Gottesdienst mit angesehn hatte. Es währte nicht lange, so fühlte sich Reymund zum Tode matt, darum kam Geoffroy noch einmal zu ihm, wartete sein Ende ab und ließ ihn dann herrlich und mit großem Gepränge zur Erden bestatten. Nachher machte Geoffroy das Kloster Malliers zu dem schönsten im Lande und setzte auch die Anzahl Mönche hinein, die ihm der Pabst vorgeschrieben hatte.
Im Königreiche Armenien hatte Gyot indessen lange regiert, war alt geworden und hatte nach seinem Tode das Reich seinem jungen und tapfern Sohne hinterlassen, welcher auch Gyot genannt wurde.
Ein steil und hohes Schloß
Lag in demselben Land,