Der König saß gerade bei der Tafel, Reinold verbeugte sich demüthig, und begehrte in höflichen Ausdrücken seinen Schatz, um sein Glück in einer andern Gegend versuchen zu können, aber der König schwieg tückischerweise still, und gab keine Antwort. Reinold wiederholte sein Gesuch in denselben Ausdrücken, aber der König schlug die Augen nieder, und that, als vernähme er kein Wort. Hierauf zog Reinold sein Schwert und sagte: Ich sehe wohl, daß bei Ew. Majestät keine Güte hilft, ich muß daher mit Ew. Majestät auf eine andere Weise sprechen, ich will Euch das Haupt abschlagen, wie ich meinem Vetter Carlmann gethan habe, und solches als einen Schatz mit mir nehmen. Da der König das Schwert sah, fing er an um Gnade zu bitten, aber es war zu spät, Reinold schlug ihm das Haupt ab, und gab es seinem Bruder Adelhart, es an den Sattel zu hängen, und es als einen Schatz mitzunehmen.
Es entstand ein großer Aufruhr in der Stadt und Reinold hatte genug zu thun, um sich und seine Brüder zu schützen. Von ihrem Rosse Bayart schlugen sie manchen Mann zu todt, und verwundeten manchen, aber sie alle wurden ebenfalls verwundet. Doch hielten sie sich so tapfer, daß sie endlich davon kamen, und nun überlegten sie, was sie zu thun hätten. Der Entschluß fiel endlich dahin aus, daß sie nach Tarragon zum Könige Ivo gehen wollten; der ein abgesagter Feind des Königs in Spanien war; ihm wollten sie das abgeschlagene Haupt präsentiren, und er würde sie denn wahrscheinlich gütig und freundschaftlich aufnehmen.
Da sie nun in Sicherheit, und schon auf seinem Gebiete waren, da stiegen sie vom Pferde, und verbanden einer dem andern die Wunden. Dann legten sie sich nieder und schliefen, weil alle nach so hartem Drangsal der Ruhe sehr benöthigt waren.
Siebentes Bild.
Reinold vermält sich.
Als die Brüder ausgeschlafen hatten, gingen sie an den Hof des Königs Ivo, und Reinold trug auf seinem Speere das Haupt des Königs mit der Krone. Der König Ivo verwunderte sich über die Maaßen, als er diese Herren alle auf einem Pferde ankommen sah, er rief seine Räthe an’s Fenster, und alle erstaunten gleich sehr über diesen Anblick.
Reinold und seine Brüder warfen sich vor dem Könige nieder, und gaben sich zu erkennen, dann verehrten sie ihm das Haupt seines Feindes, welches er mit großer Freude annahm. Es wurde ihnen ein köstliches Mahl zubereitet, hernach gab man ihnen schöne Kleider und wies ihnen ihre Wohnungen an. Bald hernach fiel Ivo mit seinem Heere in Spanien ein, und Reinold und seine Brüder begleiteten ihn auf diesem Zuge. Das Heer war siegreich, besonders durch die Hülfe der Heymons Kinder, und so zogen sie endlich wieder nach Hause.
König Carl hatte in Erfahrung gebracht, daß sich Reinold mit seinen Brüdern beim Könige Ivo aufhielte, er schickte also heimlich eine Gesandtschaft dahin, um die Auslieferung dieser Ritter zu begehren. Ivo wollte sich nicht gern gegen König Carl auflehnen, weil er dessen Macht fürchtete, aber auch nicht gern für undankbar angesehen werden, weil er durch die Hülfe der Heymons Kinder so siegreich gewesen war; er berief daher seinen Rath zusammen, damit dieser entscheiden sollte, wie er sich in einer so bedrängten Lage zu betragen habe. Die meisten der Rathsherren waren den Heymons Kindern ihres tapfern Betragens wegen sehr gewogen, nur einige waren ihnen entgegen, und da einer von diesen vorschlug, daß man sie ausliefern möchte, schlug ihn ein anderer von den Räthen zu Boden, weil es ein unedler Antrag sei.
Reinold erschien nun selber in der Rathsversammlung, er ließ sich vor dem Könige auf ein Knie nieder, und begehrte von ihm die hohe einsame Steinklippe im Meere, um sich dort eine Wohnung zu bauen, und sicher zu seyn. König Ivo bedachte sich eine Weile, und sein Rath unterstützte Reinold’s Gesuch, aber einer war dagegen, und bestand darauf, daß man die Brüder zum Besten des Landes ausliefern solle, aber ein anderer redlicher Rath schlug ihn ebenfalls zu Boden. König Ivo sagte endlich: Lieben Herren, lasset mir das, ich will dem tapfern Reinold die Steinklippe geben, wenn er mir verspricht mein ehrlicher Vasall zu sein, und mich in Kriegen und Ueberfällen zu beschirmen, dazu will ich ihm gleichfalls meine Tochter Clarissa zum ehelichen Gemal geben, wenn er mir solches verspricht. Reinold versprach es, und die Hochzeit ward in Kurzem auf das prächtigste gefeiert.
Achtes Bild.
Die feste Steinklippe Montalban.
Bald nach der Hochzeit versammelte Reinold eine Menge von Maurern und Zimmerleuten, und gründete so eine Festung, die bald aufgebaut war und die er Montalban nannte. König Ivo kam und besah die Festung, er verwunderte sich über den Bau und über die Unüberwindlichkeit der Steinklippe, denn sie lag im Meer, und der steile Fels war schwer zu erklettern. Da oben hauste nun Reinold mit seinem Gemal und seinen Brüdern, und er hatte viele Unterthanen und auch ein ansehnliches Stück Land vom Könige bekommen. König Carl wollte eine Reise nach St. Jago machen, da fuhr er an dieser Klippe vorüber, und verwunderte sich über ihre Festigkeit. Da er hörte, daß das Schloß Montalban heiße und Reinold angehöre, ward er ergrimmt, und ließ es durch Roland auffordern, und daß sich Reinold mit seinen Brüdern auf Gnade und Ungnade ergeben sollte. Reinold aber verließ sich auf die Festigkeit seines Schlosses, und ließ zurücksagen, daß er sich nichts um König Carl kümmere, und daß er ihn belagern möchte, wenn er wollte. Das verdroß Carln inniglich; er war daher kaum von seiner Wallfahrt zurückgekommen, als er eine Menge Volks versammelte, und damit Reinold in seinem Castell belagerte; aber es war zu fest, und er mußte unverrichteter Sache wieder abziehn.