Auf solchem Wege, sagte Dietrich, sind wir mit allen Dingen sehr bald fertig, wenn wir nur eine Norm und Regel annehmen, in leidenschaftlicher Verblendung alles Göttliche auf Einen Namen übertragen, und von dem einseitigen Erkennen seiner dann abweisen, was er nicht geleistet hat, oder nicht leisten konnte, der doch auch nur ein Einzelner und ein Sterblicher war, dessen Blick nicht in alle Tiefen drang, und dem wenigstens der Tod die Palette aus der Hand nahm, wäre er selbst fähig gewesen, alle Erscheinungen aus seinen Fingern quellen zu lassen. Schranke muß seyn; wer bezweifelt das? Aber so manche Altklugheit, die sich im Halten der Regel so groß dünkt, erinnert mich immer wieder an die sonderbare Eigenschaft des Hahns, der, wie unbändig und kriegerisch er auch thut, wenn er auf die Seite gelegt wird, und man von seinem Schnabel aus einen Kreidestrich auf den Boden hinzieht, unbeweglich und andächtig liegen bleibt, weil er sich, wer weiß von welcher Naturnothwendigkeit, philosophischer Regel oder unerlaßlichen Kunstschranke gefesselt glaubt.

Sie werden unbescheiden, mein junger altdeutscher Herr, sagte der Fremde in etwas hohem Tone. Die gute Erziehung wird freilich bald zu den verlorenen Künsten gerechnet werden müssen.

Dafür ist aber wohl gesorgt, versetzte Dietrich, daß Uebermuth nicht ausstirbt, und Dünkel bei frischen Kräften bleibt. Er verbeugte sich schnell gegen den Hausherrn und verließ die Gesellschaft.

Ich weiß nicht wie ich dazu komme, so behandelt zu werden, sagte der Fremde. Scheint doch über diesem Saal ein Unheil zu walten, daß ich hier immer auf Riesen treffe, die mich in den Staub legen wollen.

Der alte Walther war sehr mißmuthig, daß in seinem Hause solche Scenen vorfielen. So wie er den Fremden schon bei Tische hatte aufgeben müssen, so gab er nun auch den Gedanken auf, jemals den jungen Maler zum Schwiegersohn in Vorschlag zu bringen. Begütigend wendete er sich zu dem Fremden, der in seinem Zorn dem Höllenbreughel eine größere Aufmerksamkeit schenkte, als außerdem geschehen seyn würde. Nicht wahr, fing er an, ein in seiner Art treffliches Gemälde?

Das schönste von diesem Meister, das ich bisher gesehen, erwiederte der verstimmte junge Mann. Er nahm sein Glas zu Hülfe, um es genauer zu prüfen. Was ist das? rief er plötzlich: sehen Sie, wo die Beine der beiden Teufel zusammen kommen, und der feurige Schweif des Dritten, wird ein Gesicht, ein recht wunderlich ausdrucksvolles Profil gebildet, und, ich irre mich nicht, es gleicht auffallend hier Ihrem ältern Freunde, dem braven Künstler.

Alle drängten sich hinzu, keiner hatte diesen sonderbaren Einfall noch bemerkt. Eulenböck, der Schalk, spielte am meisten den Erstaunten. Daß mein Andenken, sagte er, sich in diesem seltsamen Stammbuche finden sollte, hätte ich mir nicht träumen lassen; sollte der boshafte Maler aber mein Profil schon in der Vorzeit geahndet haben, so ist es doch zu ruchlos, daß dieser Feuerschweif gerade meine etwas rothe Nase formiren muß.

Das Ding, sagte Erich, ist so sonderbar angebracht, daß man wirklich nicht ergründen kann, ob es Vorsatz, oder bloßer Zufall ist. Walther betrachtete das Profil im Bilde, dann musterte er die Physiognomie seines Freundes, schüttelte den Kopf, ward nachdenkend und nahm zerstreut Abschied, als der Fremde sich mit Eulenböck beurlaubte, der sich dessen Begleitung erbeten hatte, um ihm seine Kunstwerke zu zeigen.

Was ist Dir? fragte Erich, der mit dem Alten allein im Saale zurück geblieben war. Du scheinst über den sonderbaren Scherz des Zufalls verdrüßlich, der uns alle zum Lachen gezwungen hat; ist doch der Säufer hinlänglich dadurch bestraft, daß diese Teufelscompagnie so artig sein Portrait zusammen setzen muß.

Hältst Du es denn wirklich auch für Zufall? rief Walther erzürnt aus: siehst Du denn nicht ein, daß der alte Schelm mir dies Bild betrügerisch aufgeheftet hat, daß es von ihm herrührt? Schau nur hieher, ich habe ihn vor den Andern nicht beschämen wollen; aber nicht genug an dieser Abschattung von sich selbst, hat er auch noch dem großen Teufel da oben, der die Seelen in einer Handmühle mahlt, in seinem ungeheuren Schnauzbart fein den Namen Eulenböck eingeschrieben. Ich entdeckte die Kritzelei schon unlängst einmal; ich glaubte aber, da es nicht ganz deutlich war, es habe der Maler, oder ein Anderer, Höllenbreughel hineinschreiben wollen; so erklärte es mir der alte Schuft auch selbst, der mir, wie ich es ihm zeigte, Ellenbröeg herauslas, und hinzufügte, die Künstler hätten sich nie um die Orthographie viel gekümmert. Nun geht mir erst ein Licht auf, daß der verruchte Säufer auch nur den jungen Mann verführt hat, mir den Salvator zu verkaufen, daß Du einen solchen von ihm ebenfalls erhalten hast; und dabei müssen wir noch fürchten, unsre Gesichter einmal, wer weiß, unter welchen abscheulichen Gegenständen, irgendwo unanständig auf pasquillantische Weise angebracht zu sehen.