Nein! rief Eduard noch heftiger; Sie sollen mir diese Beschimpfung beweisen, mein Herr! Diese Anmaßungen, diese Unwahrheiten, die Sie so dreist herausstoßen, kündigen einen mehr als gehässigen Charakter an.

Der Geheimerath Walther war in der größten Verlegenheit, daß diese Scene in seinem Hause vorfallen mußte. Er stand prüfend vor dem Bilde, und hatte sich schon überzeugt, daß es eine moderne, aber treffliche Nachahmung des berühmten Meisters sei, die wohl auch ein erfahrenes Auge hintergehen konnte. Ihn schmerzte es innig, daß der junge Eduard in diesen bösen Handel verwickelt war; die beiden Streitenden aber waren so heftig erzürnt, daß jede Vermittlung unmöglich wurde.

Was Sie da sprechen, mein Herr! rief der Fremde jetzt auch in erhöhtem Tone, Sie sind unter meinem Zorn, und ich bin erfreut, daß ein Zufall mich in diese Gallerie geführt hat, um zu verhüten, daß ein würdiger Mann und Sammler hintergangen wurde.

Eduard schäumte vor Wuth. So ist es nicht gemeint gewesen, sagte begütigend der Alte.

Wohl war das die Meinung, fuhr der Fremde fort; es ist ein altes wiederholtes Spiel, bei dem man es nicht einmal der Mühe werth gefunden hat, eine neue Erfindung anzubringen. Ich sah in der Kunsthandlung jenen sogenannten Salvator Rosa; der Eigenthümer hielt ihn für ächt, und wurde noch mehr darin bestärkt, als ein Reisender, der, der Kleidung nach, ein sehr vornehmer Mann seyn konnte, einen hohen Preis für das Bildchen bot; er wollte bei der Rückkehr wieder zusprechen, und bat sich vom Kunsthändler aus, daß dieser das Gemälde wenigstens vier Wochen nicht aus den Händen geben sollte. — Und wer war dieser vornehme Herr? der weggejagte Kammerdiener des Grafen Alten aus Wien. So ist es klar, daß das Spiel, von wem es auch herrühre, auf Sie, Herr Walther, und Ihren Freund Erich abgekartet war.

Eduard hatte indessen mit zitternden Händen sein Bild schon wieder eingewickelt; er knirschte mit den Zähnen, stampfte mit dem Fuße und schrie: der Teufel soll mir diesen Streich bezahlen! So stürzte er zur Thüre hinaus, und bemerkte nicht, daß das Mädchen wieder von oben in den Saal herabschaute, die durch das Geschrei der Streiter herbei gezogen worden war.

Mein werther Herr, so wandte sich jetzt der Alte zu dem Unbekannten, Sie haben mir weh gethan; Sie sind zu rasch mit dem jungen Manne verfahren; er ist leichtsinnig und ausschweifend, aber ich habe bis jetzt noch keinen schlechten Streich von ihm gehört.

Einer muß immer der erste seyn, sagte der Fremde mit kalter Bitterkeit; er hat wenigstens heute Lehrgeld gegeben, und kehrt entweder um, oder lernt so viel, daß man seine Sachen klüger anfangen, und auf keinen Fall die Fassung verlieren muß.

Er ist gewiß selbst hintergangen, sagte der alte Walther, oder er hat wirklich das Bild, wie er sagt, gefunden, und sein Vater, der ein großer Kenner war, hat es schon deswegen, weil es nicht ächt ist, bei Seite geschafft.

Sie wollen es zum Besten kehren, alter Herr, sagte der Fremde; aber in diesem Falle wäre der junge Mensch nicht so unanständig heftig geworden. Wer ist er denn eigentlich?