Sein Vater, erzählte der Alte, war ein reicher Mann, der ein großes Vermögen hinterließ; er hatte eine so starke Leidenschaft für die Kunst, wie gewiß nur wenige Menschen ihrer fähig sind. Auf diese verwandte er einen großen Theil seines Vermögens, und seine Sammlung war unvergleichlich zu nennen. Darüber aber versäumte er wohl etwas zu sehr die Erziehung dieses seines einzigen Sohnes; so wie daher der Alte starb, war der junge Mensch nur darauf bedacht, Geld auszugeben, mit Schmarotzern und schlechtem Volke Umgang zu haben, sich Mädchen und Equipagen zu halten. Als er majorenn wurde, waren ungeheure Schulden bei Wucherern und Wechsel zu bezahlen, aber er setzte seinen Stolz darein, nun noch mehr zu verschwenden; die Kunstwerke wurden verkauft, da er keinen Sinn für diese hat; ich nahm sie für billige Preise. Jetzt hat er wohl, außer dem schönen Hause, so ziemlich Alles durchgebracht, und auch auf diesem mögen Schulden lasten; Kenntnisse hat er sich schwerlich erworben, Beschäftigung ist ihm unleidlich, und so muß man mit Bedauern sehen, wie er seinem Untergange entgegen geht.

Die alltägliche Geschichte von so Vielen, bemerkte der Unbekannte, und der gewöhnliche Weg unwürdiger Eitelkeit, der die Menschen lustig in die Arme der Verachtung führt.

Wie haben Sie sich nur dieses sichre Auge erwerben können? fragte der Rath; auch erstaune ich über die Art, mit der Sie dem Julio nachzeichnen, da Sie doch kein Künstler sind, wie Sie sagen.

Aber ich studire seit lange die Kunst, antwortete der Fremde; ich habe die wichtigsten Gallerieen in Europa fleißig und nicht ohne Nutzen gesehen, mein Blick ist von Natur scharf und richtig, und noch durch Uebung gebildet und sicher gemacht, so daß ich mir schmeicheln darf, wohl nicht so leicht, am wenigsten über meine Lieblinge zu irren.

Der Fremde empfahl sich jetzt, nachdem er dem Sammler hatte versprechen müssen, am folgenden Mittage bei ihm zu essen, denn der Alte hatte vor den Kenntnissen des Reisenden große Achtung gewonnen.

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Mit unbeschreiblichem Zorne ging Eduard nach Hause. Er trat wüthend ein, warf alle Thüren heftig hinter sich zu, und eilte durch die großen Gemächer nach einem kleinen Hinterstübchen, wo in der Dämmerung der alte Eulenböck bei einem Glase starken Weines seiner wartete. Hier! schrie Eduard, du alter, schiefnasiger, weinverbrannter Halunke, ist Deine Schmiererei wieder; verkauf sie an den Seifensieder drüben, der sie in die Lichte gießen kann, wenn ihm die Malerei nicht ansteht.

Wäre Schade, sagte der alte Maler, um das gute Bildchen, indem er sich mit der größten Kaltblütigkeit ein neues Glas einschenkte. Hast Dich erhitzt, Freundchen; und der Alte hat von dem Kauf nichts wissen wollen?

Schelm! schrie Eduard, indem er das Bild heftig hinwarf; und um Deinetwillen bin ich auch zum Schelm geworden! Beschimpft, gekränkt! O und wie beschämt vor mir selber, glühend Kopf und Hals hinunter, daß ich mir aus Liebe zu Dir solche Lüge erlaubte.

Ist keine Lüge, liebes Männchen, sagte der Maler, indem er das Bild auswickelte, ist ein so veritabler Salvator Rosa, wie ich nur noch je einen gemalt habe. Hast mich ja nicht daran arbeiten sehen, und kannst also nicht wissen, von wem das Bild herrührt. Du hast kein Geschick, mein Hänschen; ich hätte Dir die Sache nicht anvertrauen sollen.