Was sagen Sie aber vollends dazu, schwatzte jener weiter, daß wenn ich einmal so recht superklug bin, die Leute mir beweisen wollen, ich wäre dumm? Nicht wahr, die Welt liegt im Argen; wie unser Herr Pastor Kilian letzt einmal in der Kirche sagte.

Ich werde sorgen, daß Sie niemals mehr hinein gelassen werden, rief der alte Mann.

Ich bin ja aber doch ein getaufter Christ, sagte Theophil mit der größten Ernsthaftigkeit und ging traurig zum Prediger hin.

Lassen Sie sich dienen, Herr Doctor, fuhr der Alte fort, daß es nicht angeht, weil er sich laut mit seinem Bedienten während des Gottesdienstes zankt. Was thut er aber neulich? Indem ich in der Predigt aufsehe, hat er unsern Hund in meinen Sitz gebracht, läßt den Pudel aufrecht stehn, der nun über das Chor gucken und ein Gesangbuch zwischen den Pfoten halten muß. Heißt das nicht die Gemeine stören?

Ich bin ja aber doch ein getaufter Christ! sagte der Angeklagte mit weinerlicher Stimme. Der Arzt, der eine ernsthafte Wendung des Gespräches fürchtete, fragte den Klagenden, was das neulich gewesen sei, wo er so allein klug, und die Andern dumm gewesen wären. Ja so! sagte Theophil plötzlich laut lachend; das war eine lustige Geschichte! Die Mamsell Kilian hatte mir ganz neue Schnupftücher gekauft. Nun sollte ich den andern Tag mit dem Junker auf den Fischfang gehn, da nahm ich mir vor, den Pankraz zu erinnern, daß er mich erinnern sollte, damit ich es nicht vergessen möchte. Um aber auch gewiß daran zu denken, daß ich ihn zu rechter Zeit erinnern möchte, damit er mich ja erinnern könnte, machte ich einen Knoten in mein Schnupftuch. Sie wissen ja, das ist ein altes Herkommen, wenn man etwas nicht vergessen will.

Ja wohl.

Nun gut; ich wache den Morgen auf, da finde ich den Knoten. Da besinne ich mich auch gleich, daß ich den Pankraz erinnern muß. Pankraz, du sollst mich an was erinnern! Ganz recht, gnädiger Herr, Sie wollen mit dem Junker auf den Fischfang gehn. Ich geh’ auf den Fischfang und denke nichts Böses. Den andern Tag aber ist der Knoten noch im Tuche. Das ängstete mich, denn es gab nun nichts mehr zu erinnern, und wenn ich den Knoten anfaßte, wollte ich mich immer auf etwas besinnen. Den Knoten hatte ich aber so fest gezogen, daß ich ihn gar nicht wieder aufkriegen konnte. So nehm’ ich im Verdruß eine Scheere, und schneide bloß den Knoten, verstehn Sie, bloß den Knoten ab, und werfe ihn aus dem Fenster. Wie nun das Tuch wieder gewaschen ist, sagt die Mamsell sammt allen Menschen im Hause, ich hätte es entzwei geschnitten; es fehlte auch wirklich ein großes Stück davon. Nun sagen Sie selbst, ob ich etwas dabei versehn habe, und wer Recht hat!

Der Knoten, sagte der Arzt, war aber doch natürlich vorher ein Stück des Tuches, folglich mußte dieses nachher fehlen.

Sie begreifen nicht! sagte Theophil im großen Zorn, und faßte die Hand des Arztes heftig und stark; ich schnitt ja nicht das Tuch ab, sondern nur den Knoten, den ich erst hinein gemacht hatte, der vorher nicht drin war.

Wir wollen nicht streiten, sagte Anselm, Sie können wohl Recht haben; ich habe bisher dieses Experiment noch nicht gemacht, und Vieles begreift man gewiß erst durch die Erfahrung.